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Hiobsbotschaft für Verbraucher in Deutschland : Strom wird noch teurer

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Anfang 2014 dürften die Preise für Unternehmen und Privat-Verbraucher abermals deutlich steigen. Im Bundestagswahlkampf streiten Politik, Verbände und Experten über die richtigen Antworten auf die Entwicklung.

svz.de von
erstellt am 02.Jul.2013 | 10:48 Uhr

Neue Hiobsbotschaften für deutsche Stromkunden: Anfang 2014 dürften die Preise für Unternehmen und Privat-Verbraucher abermals deutlich steigen. Wird Strom bald unbezahlbar? Im Bundestagswahlkampf streiten Politik, Verbände und Experten über die richtigen Antworten auf die Entwicklung. „Deutschland muss sensibel sein, dass der Preis sozial verträglich bleibt und die Energiekosten nicht das Budget des Normalbürgers sprengen“, erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Hintergründe zur Entwicklung von Rasmus Buchsteiner.

Wie stark werden die Strompreise 2014 steigen?

Experten rechnen mit einer weiteren Erhöhungsrunde. Haupt-Kostentreiber sind steigende Ausgaben für die Ökostrom-Förderung sowie milliardenschwere Investitionen in die Stromnetze. Laut einer neuen Studie von Greenpeace wird allein die so genannte EEG-Umlage, die zuletzt auf 5,27 Cent je Kilowattstunde geklettert war und die Einspeisevergütungen für Ökostrom-Produzenten finanziert, Anfang 2014 auf 6,1 Cent steigen. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) schließt sogar einen Anstieg auf sieben Cent nicht aus. Ein Drei-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch müsste dann jährlich 245 Euro für Ökostrom zahlen – 60 Euro mehr als 2013.

Ist allein die Energiewende Schuld am Strompreisanstieg?

Nein. Fakt ist, dass die Strompreise an der Leipziger Strompreisbörse im Keller sind. Der Preisvorteil wird jedoch Experten zufolge kaum an die Verbraucher weitergereicht. Hinzu kommt, dass insbesondere Kohlestrom aufgrund der geringen Preise für CO2-Verschmutzungsrechte besonders günstig ist. Und je größer der Abstand zwischen Börsenstrompreis und garantierter Einspeisevergütung für Ökostrom-Lieferanten, desto stärker steigt die EEG-Umlage für die Verbraucher.

Welche Rolle spielen Ausnahmen und Rabatte für die Wirtschaft?

Sowohl bei der EEG-Umlage als auch bei den Netzentgelten gibt es Vergünstigungen. Die Mindereinnahmen, die dadurch entstehen, müssen jedoch auf den Rest der Verbraucher umgelegt werden. Laut einer Studie für die Grünen-Bundestagsfraktion steigt das Volumen der Ausnahmen von aktuell gut 800 Millionen Euro auf bis zu 1,2 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Begünstigt werden 3300 Unternehmen. Die Grünen kritisieren vor allem, dass darunter auch Golfplätze, Kühlhäuser und Computerrechenzentren sind.

Was unternimmt die Politik gegen die steigenden Strompreise?

Vor der Bundestagswahl wird sich nichts bewegen. Nach dem 22. September dürfte jedoch die Bereitschaft steigen, über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und der Milliarden-Förderung für Ökostrom nachzudenken. Kanzlerin Merkel hat einen Reformvorstoß für den Herbst angekündigt. Zuletzt war Altmaier mit Plänen für eine Strompreisbremse gescheitert. Er wollte die EEG-Umlage vorübergehend einfrieren. Zur Gegenfinanzierung sollten Ökostrom-Produzenten und Industrie mit 1,8 Milliarden Euro jährlich zur Kasse gebeten werden.

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