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Obergrenzen gesetzt : Strengere Regeln am Düngerstreuer

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Aus der Onlineredaktion

Mineralstoffe, Gülle, Mist: Künftig gelten Obergrenzen. Strafen bis 100 000 Euro

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2017 | 11:55 Uhr

Schluss mit überhöhten Dünger- und Güllegaben auf Äcker in MV: Bund und Länder verschärfen die Düngeregeln auf Deutschlands Feldern. Voraussichtlich ab 2018 werden Landwirten bei der Ausbringung aller organischen und mineralischen Düngemittel einschließlich von Gärresten aus Biogasanlagen erstmals Obergrenzen gesetzt. Nach mehrjährigen Verhandlungen seien in dieser Woche die letzten Abstimmungen erfolgt, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD): „Die neuen Regeln sind nicht der ganz große Wurf, aber eine realistische Lösung. Ein Riesenerfolg für das Grundwasser.“ Übermäßiger Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger gilt als Hauptursache für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser.

Strengere Regeln am Düngestreuer: Künftig dürften in einem Jahr nur noch bis zu 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar ausgebracht werden, erklärte Backhaus. Derzeit würden in MV teilweise bis zu 250 Kilogramm verteilt. Zudem wurden die Sperrfristen, in denen ein Ausbringeverbot für stickstoffhaltigen Düngemittel gilt, um Wochen verlängert. Künftig dürfen Düngestreuer und Güllebomber zwischen dem 1. Oktober statt bisher ab 1. November und dem 31. Januar nicht mehr auf den Acker. Auf dem Grünland gilt die Frist ab 1. statt bisher 15. November und endet am 31. Januar. Zudem müssen künftig größere Abstände zu Gewässern eingehalten und mit einem so genannten Stoffstrommanagement die Herkunft und der Verbleib der Düngemittel nachgewiesen werden. Härtere Vorgaben auch am Güllefass: Die Agrarhöfe müssen ausreichend große Lager bereitstellen, um den so genannten Wirtschaftsdünger mindestens sechs Monate lagern zu können, Betriebe mit größeren Tierbeständen und ohne eigene Ausbringungsflächen für neun Monate.

Mit den strengeren Düngevorgaben sollen die Belastungen des Grundwassers gemindert werden. Das weist immer stärkere Belastungen auf. „Ein von Menschen verursachtes Problem, nicht nur von den Landwirten“, erklärte Backhaus: „Ein Prozess der letzten 100 Jahre.“

Mit Folgen in MV: Inzwischen sind elf der 53 Grundwasserkörper wegen Nitratbelastung in einem chemisch schlechten Zustand, analysierten Prüfer. Dort seien die die zulässigen Grenzwerte von 50 Milligramm je Liter teilweise um ein Vielfaches überschritten. 18 Prozent der Landesfläche sei davon betroffen, teilte Backhaus mit. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 28 Prozent. Gefahr auch im Oberflächenwasser: Bei 47 der 333 Messstellen seien die Grenzwerte überschritten – vor allem in kleineren Flüssen. Stepenitz, Gräben im Klützer Winkel, in der Nebel und Zulauf zur Peene. Und selbst das Trinkwasser ist in einigen Regionen belastet: Zwei Prozent der 93 Trinkwasserbrunnen seien in einem chemisch schlechten Zustand.

Mit den neuen Düngekriterien werden den Bauern harte Bandagen angelegt: Jetzt müssten die Landwirte beweisen, dass sie sich der Verantwortung stellen, meinte Backhaus. Verstöße kommen den Landwirten auch teuer zu stehen. Überschreitungen der Stickstoff-Grenzwerte könnten mit bis zu 100 000 Euro Strafe belegt werden sagte Backhaus: „Das tut weh.“ In den Betrieben solle die Einhaltung der neue Düngeregeln stichprobenartig überprüft werden. Dazu solle das Kontrollteam aufgestockt werden, kündigte Backhaus. Hierfür werde er mit dem Finanzminister über zusätzliche Stellen verhandeln. Denkbar sei auch, die Agrarbetriebe bei Nachkontrollen die Kosten in Rechnung zu stellen.  

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