Justizministerium : Streitereien unter Nachbarn selten vor Gericht

Unter Grundstücksnachbarn sorgt kaum ein Thema so oft für Zündstoff wie Zäune und Hecken. Über die Frage, wie hoch welcher Busch in welchem Abstand zum Nachbarn wuchern darf, entbrennen immer wieder Auseinandersetzungen.
Unter Grundstücksnachbarn sorgt kaum ein Thema so oft für Zündstoff wie Zäune und Hecken. Über die Frage, wie hoch welcher Busch in welchem Abstand zum Nachbarn wuchern darf, entbrennen immer wieder Auseinandersetzungen.

Schiedsleute suchen nach außergerichtlichen Lösungen. Zahl der dort geregelten Zwistigkeiten stieg deutlich an

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10. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Die Party nachts um 2 Uhr, Kettenrauchen auf dem Balkon oder der Dauerbetrieb vom stinkenden Grill: Für Streit unter Nachbarn gibt es eigentlich immer einen Anlass. Doch dafür landen die Nachbarschaftsstreitereien vergleichsweise selten vor Gericht. Grund dafür ist die Arbeit von Schiedsmännern und -frauen, die in speziellen Verfahren nach einer außergerichtlichen Lösung suchen. Nach Angaben des Justizministeriums waren 2017 nur 1,3 Prozent der rund 15 500 vor Gericht ausgetragenen Zivilverfahren auf Nachbarschaftsstreitigkeiten zurückzuführen. Insgesamt gebe es im Nordosten 125 Schiedsstellen und 240 speziell ausgebildete Fachleute, sagte die Vorsitzende der Landesvereinigung MV der Deutschen Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS), Bärbel Schade. Allerdings sei im Gegensatz zu den gerichtlichen Verfahren die Zahl der Nachbarschaftszwistigkeiten gestiegen. 2017 hätten die Schiedsstellen in MV 292 Verfahren geführt, ein Anstieg um 16 Prozent im Vorjahresvergleich.

Immer wieder Probleme des täglichen Lebens

Laut BDS handelt es sich bei den meisten Streitereien um Probleme des täglichen Lebens: Belästigungen durch Überwuchs von Bäumen oder Sträuchern sowie Geruchs- und Lärmbelästigung. Entscheidend ist jedoch oft die Geschichte hinter den Streitigkeiten. Dann liege die Ursache nicht im eigentlichen Streitfall, sondern in einer oft langen und manchmal auch traurigen Geschichte von Missverständnissen. „Wenn man vernünftig miteinander redet, könnten die Parteien das in den meisten Fällen eigentlich auch selbst klären“, erklärte Schade.

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) lobte die Schiedsleute. Deren Arbeit zeige, dass sich ein nachbarschaftliches Zusammenleben nicht per Gesetz verordnen lasse.

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