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Neid oder berechtigter Ärger? : Streit ums Welterbe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stralsunder Kritik an Landesmillionen für Schweriner Unesco-Bewerbung löst heftige Debatte aus

von
erstellt am 20.Jul.2015 | 21:00 Uhr

Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) hatte gestern dringend „einige Dinge“ mit ihren Stralsunder Amtskollegen Alexander Badrow (CDU) zu klären. Doch der CDU-Politiker war für die Oberbürgermeisterin den ganzen Tag nicht zu erreichen. „In der Diskussion ist ein völlig schiefes Bild entstanden“, machte Frau Gramkow gegenüber unserer Redaktion ihrem Ärger Luft. Auch Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) fehlt nach eigenen Aussagen „jedes Verständnis“ für die von Badrow vom Zaun gebrochene Debatte.

Stralsunds Oberbürgermeister hatte der Landesregierung „Selbstherrlichkeit“ im Zusammenhang mit der millionenschweren Unterstützung der Schweriner Weltkulturerbe-Bewerbung vorgeworfen. „Ich kann nicht hinnehmen, dass die Landesregierung lediglich 1,9 Millionen Euro für die Finanzierung einer ganzen Theaterreform zur Verfügung stellt, aber offenbar über unbegrenzte Ressourcen verfügt, wenn sie eigene Ziele verfolgt“, sagte Badow.

Auslöser war die Ankündigung von Bildungsminister Brodkorb, den Antrag „Schweriner Residenzensemble – Kulturlandschaft des romantischen Historismus“ für die Aufnahme in das Unesco-Welterbe großzügig zu unterstützen. 20 Millionen Euro sollen vor allem in eine Überarbeitung des Schlossmuseums fließen. Außerdem will das Land 2016 eine Welterbe-Professur für fünf Jahre einrichten und die Kosten für 500    000 Euro übernehmen.

„Ich verstehe die Aufregung in Stralsund nicht“, sagte Oberbürgermeisterin Gramkow. Das Schloss gehört dem Land. „Wenn die Landesregierung ihren Verpflichtungen innerhalb der Bewerbung nachkommt und ihr Schlossmuseum ausbaut, ist das zu begrüßen“, erklärte sie. Das Museum wäre vermutlich auch ohne Bewerbung saniert worden.

Auch Bildungsminister Brodkorb (SPD) wies Badrows Kritik zurück. „In Stralsund stehen derzeit 30 Millionen Euro von Land und Bund für den Ausbau des Meeresmuseums im historischen Katharinenkloster zur Debatte.“ In der Vergangenheit wurde das Ozeaneum mit Investitionen von fast 60 Millionen Euro gefördert. Brodkorb: „Als Stralsund und Wismar Weltkulturerbe wurden, freute sich das gesamte Land. Deshalb täte Herr Badrow jetzt gut daran, sich über die Weltkulturerbebewerbung von Schwerin zu freuen.“

Im Landtag reagierten die Fraktionen unterschiedlich auf den Ärger in Stralsund. „Ich verstehe die Kritik und habe mich gewundert, wie schnell die Landesregierung Geld bereitstellt, wenn es um eigene Interessen geht“, sagte Johannes Saalfeld (Grüne) Der finanzpolitische Sprecher der CDU, Egbert Liskow, meinte dagegen: „Ich sehe keine gravierende Benachteiligung Stralsunds.“

Der Wismarer Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) zeigte sich diplomatisch: „Wir freuen uns über das Interesse der Landesregierung am Welterbe und gehen davon aus, dass sich das in Zukunft auch auf die bestehenden Welterbestädte im Land auswirkt.“

Die Innenstädte Stralsunds und Wismars wurden 2002 gemeinsam in die Welterbe-Liste aufgenommen. Aus dem Stralsunder Rathaus hieß es gestern dazu: „Die Antragstellung einschließlich der fachlichen Grundlagen für das Welterbe ,Altstädte Stralsund und Wismar‘ wurden aus städtischen Haushaltsmitteln finanziert.“ Landesgelder aus dem Schweriner Kultusministerium seien damals für die Bewerbung nicht zum Einsatz gekommen.

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