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Aus dem Gerichtssaal : Streit um Lohn eskaliert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitarbeiter des Krankenhauses Grevesmühlen hingehalten – trotz Gerichtsurteils

von
erstellt am 09.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Obwohl er beim Arbeitsgericht erfolgreich einen höheren Lohn eingeklagt hatte, hat Mirko K. (Name geändert) auf sein Geld lange warten müssen. Erst als er ankündigte, den Gerichtsvollzieher bei seinem Arbeitgeber vorbeizuschicken, zahlte das Krankenhaus Grevesmühlen die ausstehenden Beträge.

Die zum gemeinnützigen Deutschen Roten Kreuz (DRK) gehörende Klinik versuchte auch drei weitere „aufmüpfige“ Mitarbeiter auf diese Weise auflaufen zu lassen, berichtet Ivo Garbe von der Dienstleistunggewerkschaft Verdi. Jedes Mal ging es um mehrere Zehntausend Euro. „Solch ein Verhalten eines Arbeitgebers habe ich noch nicht erlebt“, so Garbe.

Klinik-Geschäftsführer Jan Weyer wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Episode mit dem Gerichtsvollzieher ist nur eine Facette der bemerkenswerten Scharmützel, die sich die Klinik-Geschäftsleitung mit mehreren Mitarbeitern seit geraumer Zeit liefert. Die Klinik versuche dabei immer wieder, ein höchstrichterliches Urteil zu umgehen, heißt es seitens der Gewerkschaft.

Die Angestellten waren 2013 erfolgreich vor das Schweriner Arbeitsgericht gezogen, um seit mehreren Jahren ausgebliebene Lohnerhöhungen zu erstreiten. Die standen ihnen ihrer Meinung nach laut ihrer Arbeitsverträge und laut Tarifvertrag zu.

Die Klinik focht das Urteil an. Eine der Kolleginnen ging quasi im Namen aller klagenden Kollegen – rechtlich unterstützt von Verdi und dem DGB – bis vor das Bundesarbeitsgericht (BAG). Das befand Ende 2015, der so genannte Reformtarifvertrag und die daraus folgenden Lohnerhöhungen gelten auch für die Klinik in Grevesmühlen. „Ein redlicher Arbeitgeber“, heißt es im Urteil, hätte den Arbeitsvertrag anders formulieren müssen, wenn er die jährlichen Anpassungen nicht zahlen will. Das Gericht sprach der Klinik-Angestellten 3500 Euro Nachzahlung für sieben Monate im Jahr 2011 zu.

Im Vertrauen auf das höchstrichterliche BAG-Urteil hofften die anderen Krankenhaus-Mitarbeiter, dass die Klinik-Leitung auch ihre Ansprüche akzeptieren würde.

Stattdessen soll der Geschäftsführer eine pauschale Abfindung angeboten und mit gewissem Nachdruck gefordert haben, neue Arbeitsverträge zu unterschreiben. Die brachten im Vergleich zum Tarifvertrag finanzielle Einbußen mit sich, heißt es bei der Gewerkschaft. Ein Kollege zog erneut vor Gericht und bekam Recht. Mehr Geld bekam er aber nur für den Zeitraum, um den er vor Gericht gestritten hatte. Seinen aktuellen Lohn beließ die Klinik auf dem alten geringen Niveau. „Jetzt muss der Kollege wieder klagen“, so Ivo Garbe.

Einer Mitarbeiterin soll indes die kleine Weihnachtsgratifikation gestrichen worden sein, weil sie sich mit der Klinik vor Gericht anlegte, wie sie glaubt. Das alles wäre unnötig, so Gewerkschaftssekretär Garbe, wenn die Klinik das BAG-Urteil umsetzen würde.

Das DRK betreibt drei weitere Krankenhäuser in MV. Aber weder aus Neustrelitz, Grimmen oder Teterow sind der Gewerkschaft Auseinandersetzungen wie in Grevesmühlen bekannt.

 

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