Dauerbaustelle in MV : Streit um Ausfallstunden

Auch wenn Schüler  das möglicherweise anders sehen: Jede ausgefallene Unterrichtsstunde ist eine   zu viel.
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Auch wenn Schüler das möglicherweise anders sehen: Jede ausgefallene Unterrichtsstunde ist eine zu viel.

Muss das Ministerium die Folgen kennen? Dort heißt es nein, Grünen-Abgeordnete Berger sieht das anders

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23. August 2016, 06:25 Uhr

Knapp zwei Wochen vor Ferienende – und knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl – werden Ausfallstunden im zurückliegenden Schuljahr noch einmal zu einem politisch brisanten Thema. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ulrike Berger, kritisierte gestern: „Der Unterrichtsausfall bleibt eine Dauerbaustelle im Land.“

Berger und ihre Fraktion hatten im späten Frühjahr eine Kleine Anfrage zum Unterrichtsausfall im ersten Halbjahr des Schuljahres 2015/16 gestellt. In einer Folgeanfrage wollte sie zudem wissen, ob und wenn ja an welchen Schulen wegen des Unterrichtsausfalls keine Zeugnisnoten erteilt werden konnten. „Im Mai wurde bekannt, dass an einer Regionalen Schule in Pasewalk wegen des Unterrichtsausfalls in manchen Fächern keine Zeugnisnoten erteilt werden konnten. Die Ausfallquote an dieser Schule lag mit 2,4 Prozent allerdings im Landesdurchschnitt. Im gleichen Halbjahr gab es aber auch Schulen mit Ausfallquoten von 8 Prozent und mehr – an einer Regionalen Schule waren es sogar 12,2 Prozent. Darum liegt die Vermutung nahe, dass auch an anderen Schulen Zeugnisnoten nicht vergeben werden konnten“, begründet Berger diese Nachfrage. Doch eine Antwort bekam sie nur dahingehend, dass eine Erhebung dieser Daten für die Arbeit des Bildungsministeriums „sachlich nicht erforderlich“ sei.

Ministeriumssprecher Henning Lipski bestätigte diese Aussage gestern. Denn nicht das Bildungsministerium, sondern die Schulleiterinnen und Schulleiter hätten die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Schülerinnen und Schüler den Unterricht erhalten, der ihnen zusteht. Zudem ließen sich aus dem Unglücksfall an Schule A für Schule B keine Schlussfolgerungen ziehen, um in der Zukunft Unterrichtsausfall zu vermeiden. „Bei schweren Unfällen oder Krankheitsfällen von Lehrkräften kommen die Schulleitungen ihrer Pflicht nach, den Unterricht angemessen umzuorganisieren. Dies ist beispielsweise durch die Nutzung von Ganztagsangeboten oder durch das Nachholen von Unterricht in den darauffolgenden Schuljahren möglich“, so Lipski. Auch der Pasewalker Schulleiter hätte „diese Instrumente vorbildlich genutzt“.

Im Übrigen hätte Staatssekretär Sebastian Schröder der Grünen-Abgeordneten zum Ende des Schuljahres angeboten, die von ihr gewünschte Umfrage auszulösen, so Lipski . Er hätte aber auch auf den damit verbundenen massiven Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte hingewiesen. Ulrike Berger sei auf dieses Angebot dann nicht mehr eingegangen.

Gestern kritisierte die Landtagsabgeordnete, dass es für Landesregierung und Parlament selbstverständlich sein müsste, nicht nur über Unterrichtsausfall, sondern auch über seine Folgen informiert zu werden. Die bekäme zum Beispiel zu spüren, wer sich schon in der 9. oder 10. Klasse mit einem Halbjahreszeugnis bewerben müsse. „Auch das Nachholen des Unterrichts im Folgejahr ist nicht unproblematisch - am Gymnasium haben Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse zum Beispiel 36 Wochenstunden. Wie sollen sie da noch möglichen Stoff des Vorjahres vernünftig nachholen?“, fragt Berger. Ihrer Meinung nach könne die Lösung nur in einer besseren Personalausstattung der Schulen liegen. In Sachsen-Anhalt plane die Landesregierung zum Beispiel eine Personalzuweisung in Höhe von 103 Prozent des Grundbedarfs einer Schule. Vergleichbares gibt es Lipski zufolge allerdings auch hierzulande bereits: „Schon heute bekommt damit jede Schule mehr Unterrichtsstunden, als sie für den regulären Unterricht benötigt.“ Dazu käme die Möglichkeit, Vertretungslehrer einzusetzen.

Im ersten Halbjahr 2015/16 lag der originäre Schulausfall an Allgemeinbildenden Schulen nach Angaben des Bildungsministeriums bei 1,9 Prozent. An den beruflichen Schulen fielen 5,3 Prozent aller Stunden aus, 0,3 Prozent weniger als in der ersten Hälfte des Schuljahres 2014/15.

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