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Strandkorb im Wald - Rangern gefällt das nicht

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erstellt am 25.Okt.2012 | 07:19 Uhr

Schwerin | Noch ist das neue Motiv der Marketing-Kampagne des Landes nicht in der Öffentlichkeit, ja noch nicht einmal gestaltet, da sorgt es bereits für erste Aufregung. Diesmal haben die PR-Experten um Landesmarketing-Chef Peter Kranz-Glatigny das Korbmöbel nämlich in den Müritz-Nationalpark gestellt. Schön präsentiert und aufwändig fotografiert, soll der Strandkorb einmal nicht für die Küste werben, sondern auf die Schönheiten im Landesinnern aufmerksam machen. So ist die noch streng geheimgehaltene Idee der Hamburger Agentur Molthan van Loon. Nach dem Strandkorb auf dem Windrad, in der Unibibliothek Greifswald, im Schwarmfischbecken des Ozeaneums und im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin jetzt also im Wald.

Aber im Nationalpark selbst, bei den Rangern und in der Verwaltung, ist man wenig amüsiert. Zwar sind die Entwürfe wie bei jeder bisherigen Präsentation noch in der internen Diskussion kleiner Arbeitsgruppen - doch irgendwie gelang es den Kampagne-Machern nicht, das Fotoshooting zu verstecken. Die Sorge der Ranger zwischen Waren und Neustrelitz: Mit einem solchen Motiv ruft das Landesmarketing quasi zur Vermüllung des Buchenwaldes rund um Serrahn auf, der erst im vergangenen Jahr zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Das ist der bittere Ernst in der Debatte vor Ort, die inzwischen so engagiert geführt wird, dass das Umweltministerium den Aktivisten einen Maulkorb verhängt haben soll, heißt es. "Die Strandkorb-Kampagne wird vom Landesmarketing MV konzipiert und durchgeführt. Wir haben lediglich Motiv und Kulisse zur Verfügung gestellt", antwortete Nationalparkchef Ulrich Meßner auf unsere Anfrage knapp. Dessen Vorgesetzter, Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD), gibt sich da schon geschmeidiger: "Der Strandkorb ist ja inzwischen der Werbeträger für unser Land. Und das Landesmarketing platziert ihn überall dort, wo MV am schönsten ist - eben auch im ,Weltnaturerbe Buchenwald’." Der Standort sei für das Fotoshooting durch das Nationalparkamt gemeinsam mit dem Landesmarketing ausgewählt worden. Backhaus zur der Debatte im Nationalparkamt: "Dass dieses Foto als Aufruf zur Vermüllung unserer Buchenwälder verstanden werden könnte, mag ich nicht glauben."

Unsinn oder nicht, das Motiv ist gewählt, erste Entwürfe kursieren. Mecklenburg-Vorpommern wird Mitte November bundesweit mit einem Strandkorb unter Bäumen für sich werben. Das Korbmöbel gilt ja seit dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007 als Markenbotschafter des Landes. Kranz-Glatigny verspricht sich von den Werbe-Aufnahmen wie schon zuvor einen Wow-Effekt.

Das neue Motiv gehört zu einer Strategie, den Strandkorb an ungewöhnlichen Orten zu inszenieren und das Land damit überraschend und spannend zu präsentieren. Noch bastelt die Hamburger-Agentur Molthan von Loon gemeinsam mit den Marketing-Strategen des Landes an der Botschaft. Auf den Entwürfen, die unserer Zeitung vorliegen, sind erste Sätze zu lesen. Ganz nach dem Stile vorheriger Botschaften, wie "Die Schönheit des Meeres ist bei uns zum Greifen nah."

Verraten wollen Peter Kranz-Glatigny und auch die Marketing-Spezialisten der Agentur nichts - ganz im Gegenteil - nur so viel: "Das neue Motiv zeigt den Strandkorb in einzigartiger Natur, fotografiert im Müritz-Nationalpark und stellt einen Ranger vor, der durch seine Arbeit für den Schutz des Weltnaturerbes und für uns in Mecklenburg-Vorpommern steht. "

Glück mit seinen Werbekampagnen hatte Mecklenburg-Vorpommern in den letzten 20 Jahren nie so recht. Auch wenn sie zumindest pfiffig waren, so fehlte der Mut. Das soll sich mit der jetzigen Kampagne - seit Januar 2011 - ändern. Schon mit dem Motiv des Strandkorbs im Schwarmfischbecken erntete Kranz-Glatigny bundesweite Anerkennung, als das Bild zum zweitbesten PR-Foto Deutschlands gekürt wurde.

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