Munitionssuche in Boltenhagen : Strand gesperrt – wer hat Schuld?

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Munitionssuche in Boltenhagen kurz vor der Urlaubssaison sorgt für politischen Wirbel in der Landeshauptstadt

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02. Juni 2015, 20:45 Uhr

Das ist Gift für die Außenwirkung des Urlaubslandes Mecklenburg-Vorpommern: Das zweite Jahr in Folge müssen Strandabschnitte zu Beginn der Saison wegen Munitionssuche wochenlang gesperrt werden. In der Landespolitik schlugen gestern die Wellen hoch. Gleich vier Ministerien waren mit der Schuldfrage beschäftigt. Denn nicht nur in Boltenhagen fragt man sich, warum ausgerechnet jetzt – vom 1. Juni bis 19. Juni – westlich der Seebrücke nach Munition gesucht werden muss. Spätestens seit Herbst 2014 war das Problem bekannt.

„Natürlich wäre ich froh gewesen, wenn wir bis Ostern Klarheit gehabt hätten“, teilte gestern Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Richtung Innenministerium aus. „Nun fällt es in den Juni und das ist unglücklich, aber wir waren nicht Herren des Verfahrens“, schimpfte der SPD-Minister.

Dies soll seinen Kollegen, Innenminister Lorenz Caffier, (CDU) auf die Palme gebracht haben. Sein Ministerium, zuständig für den Munitionsbergungsdienst und die Kampfmittelberäumung, will sich nicht den „Schwarzen Peter“ zuschieben lassen. Bereits Ende Dezember 2014 sei das zum Umweltministerium gehörende Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) über den Munitionsfund offiziell informiert worden, teilte das Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Doch erst Ende Februar ist der Antrag des Stalu auf Beräumung des Strandes in Boltenhagen beim Munitionsbergungsdienst eingegangen“, heißt es weiter in der schriftlichen Antwort.

Nach Sicherstellung der Finanzierung und Ausschreibung der Leistung habe der Zuschlag Mitte Mai an eine private Räumfirma erteilt werden können. Folglich: Hätte das Stalu im Amtsbereich von Minister Backhaus nicht zwei Monate bei der Auslösung des Auftrages verschenkt, wäre die Munitionssuche längst beendet.

Fragen musste sich auch das Energieministerium gefallen lassen. Das zum Ministerium gehörende Bergamt hatte die Förderung des Sandes aus dem „Trollegrund“ vor Kühlungsborn im Herbst 2013 für den Küstenschutz in Rerik und für die Strandverbreiterung in Boltenhagen genehmigt. Nach Informationen unserer Zeitung war spätestens seit dem Jahr 2000 bekannt, dass die Sandentnahmestelle „Troller Grund“ munitionsbelastet ist. Firmen, die dort vom Meeresgrund Sand abbauen, ist die Benutzung von Spezialsieben deshalb vorgeschrieben. Trotzdem gelangte die Munition an die Strände von Rerik und Boltenhagen. In Rerik wurden mehr als 1600 Kilogramm Munition geborgen. An den Granatenteilen befanden sich Muscheln – für Experten ein deutliches Zeichen, dass die Munition auf dem Meeresboden gelegen hat. Backhaus behauptet dagegen, dass die Altlasten nicht durch das Aufspülen an den Strand gelangt sind.

Ein Interesse am schnellen Abschluss der Munitionssuche in Boltenhagen bekundete das Wirtschaftsministerium, das die Strandverbreiterung 2013 mit 800 000 Euro bezahlte.

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