Hohen Besuch gewohnt : Stralsund macht Staat

Stralsund war auch die deutsche Gastgeberstadt beim  Besuch des norwegischen Prinzenpaares. Foto: dpa
Stralsund war auch die deutsche Gastgeberstadt beim Besuch des norwegischen Prinzenpaares. Foto: dpa

George W. Bush schlenderte 2006 mit Angela Merkel durch die Hansestadt, vier Jahre später war es das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit, das auf Einladung der Kanzlerin royalen Glanz mibrachte.

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23. Mai 2012, 10:26 Uhr

Stralsund | Hohen Besuch ist Stralsund gewohnt: George W. Bush schlenderte 2006 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch die Hansestadt, vier Jahre später war es das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit, das auf Einladung der Kanzlerin royalen Glanz nach Stralsund brachte. Und zuletzt - im Februar 2012 - befand Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker über Stralsund: "Es gefällt mir hier besser als in Brüssel, die Straßen sind schöner." In gut einer Woche bringt Merkel die Staatschefs des Ostseeraums, Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Stralsund zum Ostseeratsgipfel zusammen.

Während ihrer Zeit als Kanzlerin hat Merkel die Hansestadt, in der sie seit 1990 ihren Bundestagswahlkreis hat, mehrfach zur Bühne für große Politik gemacht. Werbewirksame Bilder vor gotischen Giebeln oder postmoderner Architektur des Ozeaneums brachten der Stadt Aufmerksamkeit und ließen seit 2006 touristische Übernachtungszahlen nach oben schnellen. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) erwartet auch von diesem Gipfel einen "erheblichen Werbeeffekt". "Ich freue mich, dass die Bundeskanzlerin entschieden hat, hier den Gipfel stattfinden zu lassen", sagte er gestern.

Das Gastgeschenk steht fest: Für die zwei Damen, Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und Islands Präsidentin Johanna Sigurdardottir, wird es ein nachgebildetes Teil des Hiddenseer Goldschmucks als Anhänger, für die Herren als Krawattennadel geben.

Neben aktuellen Fragen der internationalen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik werden die elf Regierungschefs von Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Island und Norwegen sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Themen Energie und Demografie beraten. Nicht auszuschließen ist, dass sich Merkel, Medwedew und die betroffenen Ostsee-Anrainer auch über die Pipeline Nord Stream verständigen werden. Das Firmenkonsortium arbeitet an einer Machbarkeitsstudie für einen dritten und vierten Leitungsstrang der 1200 Kilometer langen Erdgastrasse.

Statt einer menschenleeren Innenstadt wie beim umstrittenen Bush-Besuch 2006 sollen die Regierungschefs eine lebendige Stadt kennenlernen. Die Altstadt bleibe für Besucher offen. Aber es werde Kontrollen an den Zugängen geben, kündigte Stralsunds Polizeidirektor Thomas Dabel an. Am Abend des 30. Mai werden die Gipfelteilnehmer nach einem Konzert des internationalen Jugendorchesters "Baltic Youth Philharmonic" im Theater zu Fuß zum Rathaus schlendern. Übernachten werden die Regierungschefs in Stralsunder Hotels.

Auch Rostock, Lübeck oder Kiel hätten durchaus eine würdige Kulisse für den Gipfel hergegeben. In Stralsund selbst wird die Auswahl auch als ein Dankeschön Merkels an die Stadt gewertet, in der sie 1990 erstmals als CDU-Bundestagskandidatin antrat und seitdem ihren Wahlkreis souverän verteidigte.

Dieses Mal werden nach Angaben des Schweriner Innenministeriums 400 bis 500 Polizisten der Landespolizei das Treffen absichern. Dazu kommen Spezialkräfte des Bundeskriminalamtes. "Wir glauben, dass wir mit dieser Stärke die größtmögliche Sicherheit garantieren können", sagt Polizeichef Thomas Dabel. Einschränkungen gibt es nur für Autofahrer.

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