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Landwirte in Gross Rogahn : Stralendorfer holen Raps vom Feld

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Wenn Roland Wolters den Fernseher einschaltet, dann nicht um die Sportwettkämpfe bei den Olympischen Spielen in London zu verfolgen. Den Landwirt interessiert derzeit nur eins: der Wetterbericht.

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erstellt am 04.Aug.2012 | 01:06 Uhr

Gross Rogahn | Wenn Roland Wolters den Fernseher einschaltet, dann nicht um die Sportwettkämpfe bei den Olympischen Spielen in London zu verfolgen. Den Landwirt interessiert derzeit nur eins: der Wetterbericht. "Wenn es möglich ist, sind wir draußen, um zu dreschen", sagt der Pflanzenbauchef vom Agrarhof Stralendorf. "Dabei zählt jede Stunde." Denn der Raps und auch der Weizen müssen jetzt vom Halm.

Eigentlich wollten die Bauern die Ölfrucht schon eingefahren haben. Doch das unbeständige Sommerwetter machte den Stralendorfern einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Regenguss oder auch in den Morgenstunden sind die Halmfrüchte einfach zu nass. "Wenn die Basisfeuchtigkeit zu hoch ist, müssen wir ein paar Stunden warten", erläutert Wolters. Denn die Stralendorfer verfügen über keine eigene Trocknungsanlage. Das Erntegut anderswo trocknen zu lassen wird teuer. Also setzen die Landwirte auf die Hilfe von Mutter Natur.

Auch gestern legten die Stralendorfer Landwirte deshalb nicht gleich am Morgen los. Am frühen Nachmittag war aber der größte Teil des Rapsschlages bei Groß Rogahn abgeerntet. Roland Wolters ist zufrieden. Mähdrescher drehen hier ihre Runden. Eine Rundumleuchte zeigt an, wenn der Bunker wieder entleert werden muss. Der Mähdrescher stoppt dabei nicht.

Über drei Erntemaschinen verfügen die Stralendorfer - gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner der Brüsewitzer Genossenschaft. Die werden auch heute und morgen im Einsatz sein - Olympia hin, Wochenende her. Nur wenn das Wetter nicht mitspielt, machen die Landwirte Pause - unfreiwillig.

Gestern Mittag waren immerhin schon 80 der insgesamt 270 Hektar Raps auf den Feldern des Agrarhofes Stralendorf abgeerntet. Roland Wolters schätzt, dass so um die 41 Dezitonnen pro Hektar reinkommen. "Etwas unter dem Durchschnitt, aber ein guter Ertrag", sagt der Landwirt. "Raps wird in diesem Jahr wohl dennoch unsere Königsfrucht." Denn die erste Kontrollen beim Verkauf ergaben einen sehr guten Ölgehalt in den Körnern. Die Pflanzen auf den Feldern rund um Schwerin haben den strengen Frost im Februar und die Trockenheit im Frühjahr offenbar besser verkraftet als erwartet. "Wir hatten Glück. Der Schnee hat die Wintersaaten vor Kahlfrost geschützt", berichtet der Fachmann. "Weiter im Süden und auch im Osten von Mecklenburg war das anders."

Das hat sich auch schon bei der Ernte der Wintergerste gezeigt, die zuerst vom Halm kam. 130 Hektar waren es. Und auch hier liegt der Ertrag mit 46 bis 47 Dezitonnen pro Hektar unter dem Durchschnitt, ist aber verkraftbar. "Bei der Gerste haben heftige Regenschauer dafür gesorgt, dass Körner kurz vor der Ernte aus den Ähren fielen", berichtet Wolters. Das war ärgerlich. So etwas soll jetzt nicht wieder passieren. Nach dem Raps geht es deshalb gleich mit dem Weizen weiter. Die Stralendorfer haben dieses Getreide auf 300 Hektar stehen.

Und damit ist es nicht getan. Auch die Brüsewitzer Genossenschaft muss ihren Raps und ihren Weizen jetzt vom Feld holen. Dieser Betrieb hat bei der Ernte 2012 auch einmal Glück verdient, betont Wolters. Denn das Unglück hatte im Juli bereits doppelt zugeschlagen: Zwei Feldbrände mussten die Brüsewitzer verkraften (SVZ berichtete). Zuerst geriet eine Strohpresse bei Herren Steinfeld in Brand. Hier geht der Schaden wohl an die 100 000 Euro. Wenige Tage danach entzündete sich aus unbekannten Gründen ein Weizenfeld bei Hansholz. Der Wert des Korns, das auf dem Halm vernichtet wurde, beträgt auch hier mehrere tausend Euro.


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