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Tierquälerei oder Tierschutz? : Strafanzeige gegen Ferienpark Kreien

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Urlaub machen und Tanzen lernen, das können Besucher im Ferienpark in Kreien Ausbau. So gar nicht nach Tanzen zumute ist Thomas Bardenhagen vom Vereins Eselnothilfe, als er das Gelände in Augenschein nimmt.

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erstellt am 15.Apr.2012 | 06:32 Uhr

Kreien | Urlaub machen und Tanzen lernen, das können Besucher im Ferienpark in Kreien Ausbau. So gar nicht nach Tanzen zumute ist Thomas Bardenhagen vom Vereins Eselnothilfe, als er das Gelände vor einigen Tagen in Augenschein nimmt. Mitte März war der Verein von einem Besucher des Ferienparks kontaktiert worden. Dessen Vorwurf: Auf dem Gelände finde Tierquälerei statt. Die fünf Esel, darunter ein neugeborenes Stutfohlen, würden unter unzumutbaren Bedingungen gehalten, hieß es von dem Informanten, der auch gleich einige Fotos mitschickte.

Beim Besuch der Anlage notieren die Eselschützer mehrere Kritikpunkte. "Es gibt dort eine unzulässige Einzäunung mit Stacheldraht, die zwei baufälligen und mit Hindernissen vollgestellten Verschläge reichen von ihrer Größe her absolut nicht Esel aus", sagt Bardenhagen. Der Verschlag biete keinen Schutz vor der Witterung. "Als wir vor Ort waren, herrschten sowohl Starkwind als auch Graupelscheuer und es war nur vier Grad kalt", stellt Bardenhagen nach einem Blick in seine Aufzeichnungen fest. Das erst sechs Tage alte Eselfohlen sei stark unterkühlt und kaum in der Lage gewesen, sich auf den Beinen zu halten, sagt der Tierschützer. "Die restlichen Tiere befanden sich in einem stark pflegereduzierten Zustand, hatten Kahlstellen im Fell und wiesen Parasitenbefall auf", sagt Bardenhagen. Tierquälerei ist ein Wort, das der Jurist aus Crivitz nur vorsichtig in den Mund nimmt. Aber in diesem Fall tut er es. "Wir haben regelmäßig mit Fällen von Verwahrlosung und mangelnder Pflege von Eseln zu tun, aber dieser Fall war für mich eine neue Dimension", sagt er. Der Verein bietet dem Besitzer deshalb an, Muttertier und Fohlen mitzunehmen und aufzupeppeln. "Das hat der Mann unverständlicherweise abgelehnt", sagt der Crivitzer enttäuscht. Überhaupt sei er schockiert von der Uneinsichtigkeit des Mannes.

Als die Tierschützer genug gesehen haben, schalten sie das Ordnungsamt des Amtes Eldenburg-Lübz ein, das wiederum die diensthabende Tierärztin des Kreisveterinäramtes informiert. Vor Ort nehmen Veterinäramt und Tierarzt die Zustände unter die Lupe. Ihr Urteil: Pflege- und Haltungsbedingungen sind zwar zu beanstanden, die Tiere befinden sich aber nicht in einem medizinisch bedenklichen Zustand. "Die Tiere sind nicht in einem Zustand, der eine sofortige Fortnahme erforderlich macht", sagt Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Das Veterinäramt erteilt dem Halter Auflagen zur sofortigen Erfüllung. Der Mann steht nun vorerst unter Beobachtung. Er muss seine Tiere einem Tierarzt vorstellen, eine professionellen Hufpflege durchführen lassen und den Unterstand aufräumen, säubern und erweitern.

Trotz dieser Einschätzung lässt der Verein Eselnothilfe nicht locker. Vier Mitglieder haben bei der Staatsanwaltschaft Schwerin Strafanzeige gegen den Kreiener erstattet. Mit dem Vorgehen des Veterinäramtes sind die Tierschützer nicht sonderlich zufrieden. "Zu zögerlich" seien die Mitarbeiter vorgegangen, heißt es.

Der Besitzer hingegen kann die Aktion des Vereins nicht nachvollziehen. "Hier wurde ohne jeden Grund Furore gemacht", sagt er, ist entsetzt über das Vorgehen der Tierschützer. Vom Kreisveterinäramt fühlt er sich hingegen bestätigt: "Alle Tiere sind gesund, ich habe mir nichts vorzuwerfen." Vielmehr erhebt er Vorwürfe gegen den Verein: "Ich habe den Eindruck, dass der Verein das Fohlen in seinen Besitz bringen wollte." Die Vorgehensweise des Vereins findet er "ungeheuerlich". So schätzt er auch die Strafanzeige ein, der er allerdings gelassen nimmt. "Ich habe nichts getan, also habe ich auch nichts zu befürchten", sagt er. Ob er damit richtig liegt, das hat jetzt die Staatsanwaltschaft zu klären.

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