Ralswiek auf Rügen : „Störtebeker“ im Mittelalter

<p>Imposantes Bühnenbild: Störtebeker-Festspiele „Auf Leben &amp; Tod“ in Ralswiek </p>
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Imposantes Bühnenbild: Störtebeker-Festspiele „Auf Leben & Tod“ in Ralswiek

Hingucker bei den diesjährigen Piraten-Festspielen auf Rügen

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17. Juni 2016, 12:00 Uhr

Störtebeker reitet von links durch den Nebel über die Bühne. Eine Stimme aus dem Off kündet von den Heldentaten des Piraten. Die Kulissen in Mittelalteroptik stehen. Alles ist wie immer. Fast alles, wäre da nicht Störtebekers neue Frisur – ein Undercut mit Zopf –, die dem Piraten ein martialisches Aussehen verleihen soll.

In dieser 24. Festspielsaison, die morgen auf einer weitgehend ausverkauften Naturbühne Ralswiek vor rund 7    000 Zuschauern starten wird, thematisiert das Stück „Auf Leben und Tod“ die Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und den Vitalienbrüdern.

Störtebeker (Bastian Semm) und seine Kumpanen haben sich im Jahr 1397 auf Gotland in der Festung Visby zurückgezogen, nachdem der Papst die raubenden Piraten für vogelfrei erklärt hatte. Es wird eng für die Mannen, zumal Konrad von Jungingen, Hochmeister des in der Marienburg beheimateten Ordens, mit 84 Schiffen und 4    000 Mann über die Ostsee auf Gotland zusteuert.

Es geht um Feindschaft, Gerechtigkeit und Liebe. Wie in den Jahren zuvor bedient die Festspielmaschine auf der Insel Rügen mit 150 Darstellern, 30 Pferden, vier Koggen und einer aufwendig gestalteten Kulisse die typischen Haudegen-Konflikte mit raubeinigen Dialogen, Schwertergemetzel und zu Herzen gehenden Balladen. Professionell, aber inzwischen auch sehr berechenbar. „Es ist jedes Jahr eine neue Herausforderung, eine spannende Geschichte entstehen zu lassen“, sagt Intendant und Störtebeker-Schöpfer Peter Hick. Dabei hilft es auch, aus dem über Jahre angesammelten Fundus der Einfälle zu schöpfen. So kommt unter anderem eine beeindruckende Todesorgel – eine zwölfschüssige Kartaune – zum Einsatz, die bereits in einer früheren Störtebeker-Episode über die Bühne feuerte.

Die Geschichte ist nahe dran an den belegten historischen Ereignissen, nutzt aber geschickt Lücken in der Geschichte für dramaturgisch spannende Szenen. So wird der Show-down auf Gotland zwischen Piraten und Ordensrittern in einem Stellvertreterkrieg ausgefochten. Störtebeker und der schauspielerisch dominantere von Jungingen-Darsteller Marco Bahr klären anstelle ihrer Heere den Konflikt in einem Zweikampf.

Im kommenden Jahr ist Schluss mit Kämpfen und Anbändeln: Mit Abschluss des aktuellen fünfteiligen Reigens wird Störti geköpft.

Hick, der frühere Winnetou-Intendant in Bad Segeberg, hob 1993 die Störtebeker-Festspiele auf Rügen aus der Taufe und etablierte sie über Jahre mit konstant hohen Besucherzahlen mit mehr als 300 000 Gästen zu Deutschlands nach Veranstalterangaben besucherstärkstem Open Air. Zugleich setzte er – wenn vielleicht auch ungewollt – Impulse für andere Open-Airs in MV.

Hicks Theaterprojekt „Störtebeker“ ist ein Familienbetrieb. Dies hat Vorteile. „Ich muss keinen Finanzminister fragen, ob ich für diesen oder jenen Effekt Geld ausgeben darf“, nennt er die Vorzüge eines unabhängig agierenden privaten Theaterbetriebes. Und das soll auch so bleiben. Auf Rügen übernimmt Hick-Tochter Anna-Theresa immer mehr Verantwortung. Nach Einsätzen in der Spielleitung und in der Regieassistenz schrieb sie in diesem Jahr erstmals die Erstfassung des Drehbuchs.

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