Stinksauer: Schwarz trommelt fürs Amtsgericht

<strong>Bürgermeisterin Gisela Schwarz</strong> ist die Verwaltungschefin im Hagenower Rathaus. Fotos: D. Hirschmann
Bürgermeisterin Gisela Schwarz ist die Verwaltungschefin im Hagenower Rathaus. Fotos: D. Hirschmann

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19. Juli 2012, 09:48 Uhr

Hagenow | Hagenows Bürgermeisterin trommelt nochmal alle Kräfte für den Erhalt des Amtsgerichtes in ihrer Stadt zusammen. Denn Gisela Schwarz ist stinksauer über das "Politikum", das da von Seiten des Justizministeriums fabriziert wird. Bürgermeister der umliegenden Kommunen, Amtsvorsteher, Vertreter der Unternehmen und jeder einzelne Bürger seien dabei gefragt, so Gisela Schwarz. "Wir müssen am Ball bleiben", sagt das Stadtoberhaupt. "Wir dürfen uns das einfach nicht gefallen lassen, dass immer mehr Strukturen zu Lasten der Bürger geschaffen werden."

Zwar sei im ersten Moment nicht jeder unmittelbar betroffen. Aber gerade im Familienbereich könne das mitunter schneller gehen, als gedacht - etwa in Sachen Betreuung oder Erbschein. Das Gericht sei aber auch ein Standortfaktor für bestehende und ansiedelnde Unternehmen. Keiner wolle die weiteren Wege in Kauf nehmen, die in einer Flächenregion wie der hiesigen durch Standortschließungen entstehen würden, so Schwarz.

Und sie hat nach Bitte um Unterstützung schon einige Mitkämpfer im Boot. Norbert Hebincks Schreiben an Ministerin Uta-Maria Kuder liegt bereits in Kopie auf dem Tisch von Gisela Schwarz. Darin äußert sich Wittenburgs Bürgermeister fordernd. Einer Diskussion über eine effiziente Gerichtsstruktur im Land wolle er sich zwar nicht verschließen. Die Stadt sei aber nicht bereit, weitere infrastrukturelle und für einen Wirtschaftsstandort lebensnotwendige Bausteine zu verlieren. Und das, nachdem zunächst Hagenow als Kreissitz, und zuletzt der Nachfolgekreissitz, gestrichen worden seien; Städte und Kommunen mit unzumutbaren Kreisumlagen und den finanziellen "Sünden" anderer Kreise belastet würden. "Zum Lohn beabsichtigen Sie nun auch die Amtsgerichte unserer Region zu streichen", schreibt Hebinck an Uta-Maria Kuder. "Folgt danach die Finanzministerin mit der Streichung des Finanzamtes Hagenow?" Hebinck will, dass die Justiz auch in Zukunft in der Region präsent und im Alltag erlebbar bleibt.

Auch von Unternehmen kam schon erste Resonanz. So von Ute Uffmann, Geschäftsführerin von Biotherm Hagenow. Das Amtsgericht sei Anlaufstelle für jeden: Firmen, Mitarbeiter und Privatpersonen. Und zwar nicht nur in Sachen Rechtssprechung. "Und wir haben doch alle das Zeitproblem", sagt die Geschäftsfrau. Keiner wolle einen halben Tag opfern, um etwas am Gericht zu erledigen. Überhaupt: An einem Wirtschaftsstandort wie Hagenow, wo viele Unternehmen weiter investieren und neue Mitarbeiter einstellen wollen, den Standort zu schließen, sei ein Unding. Sie hofft deshalb auf viele Mitkämpfer für den Erhalt des Gerichtes in Hagenow. "Gemeinsam könnte es klappen", zeigt sie sich zuversichtlich.

Der Unternehmerverband mit seinen 80 Firmen, und Wolfgang Reiner Hildesheim und Wilhelm Schefe an der Spitze, sicherte ebenfalls seine Hilfe zu. "Das ist eine geballte Kraft. Ich hoffe, dass jeder Tropfen den Stein hüllt", sagt Bürgermeisterin Gisela Schwarz. Auch Rechtsanwälte und Notare werden sich einsetzen, da ist sie sich sicher.

Ein Gebäude würde bereit stehen. Denn auch der Besitzer des ehemaligen Landratsamtes hat Kontakt zum Justizministerium aufgenommen. "Er würde das Haus sogar entsprechend der Vorstellungen herrichten", sagt Gisela Schwarz. Sie will weiterkämpfen, Unterschriftenlisten auslegen. Denn: "Wer nimmt uns noch ernst, wenn weiter Kahlschlag im ländlichen Raum geschieht."


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