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Proteste vor Agrarministerkonferenz : Stiefel gegen Höfesterben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im vergangenen Jahr mussten 3200 Milchbetriebe aufgeben

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 20:55 Uhr

Ein elender Teufelskreis bei der Milch: Viele Bauern versuchen, die durch Niedrigpreise entstandenen Einkommensverluste mit höheren Produktionsmengen auszugleichen. Doch die zusätzlichen Milchmengen drücken weiter auf den Preis. Nur noch 15 Cent pro Liter Milch würden die Bauern bekommen, beklagt die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) – das sei innerhalb von zwei Jahren ein Preisverfall um 40 Prozent. 3200 Milchbetriebe hätten allein im vergangenen Jahr in Deutschland aufgeben.

Eine Woche vor der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern in Göhren-Lebbin in Mecklenburg-Vorpommern demonstrierten Bauern gestern vor dem Schweriner Landwirtschaftsministerium. „Wir müssen runter von den Überschüssen und zwar mit Vernunft und koordiniert“, sagte Martin Schulz, AbL-Bundesvorsitzender. Die AbL hatte aus Protest gegen das Höfesterben Gummistiefel vor dem Agrarministerium aufgestellt.

Denn die Bauern sehen die Politik in der Pflicht. „Wer in Politik und Wirtschaft weiter nur abwartet, der drängt bewusst Tausende gesunde Betriebe zum Aufgeben, das ist eine brutale Wertevernichtung“, kritisierte Schulz.

Betroffen seien nicht nur die bäuerlichen Familienbetriebe. Das Höfesterben werde sofort die nachgelagerte Agrarwirtschaft empfindlich treffen. Futterlieferanten bekämen bereits jetzt die Krise der Milchproduzenten zu spüren.

Auch die Kulturlandschaften würden verlieren. Bäuerliche Kleinbetriebe gehören zu intakten Landschaften, für Urlaubsländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein wichtiger Faktor, meinte der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann, Milchbauer im ostfriesischen Rhauderfehn.

Der AbL schlägt zur Milchreduzierung ein Bonussystem vor. Wer seine Produktion zurückfährt, soll von den Molkereien mit zwei Zent pro nicht produzierten Liter belohnt werden.

Die Politik solle zudem Bestandsobergrenzen für die Tierhaltung einführen, forderte Martin Schulz, der auch Schweinehalter im Wendland ist. Die Schweinehaltung stecke seit zwei Jahren in der Krise, weil industrielle Mastanlagen mit Tausenden von Tieren die Preise für Schweinefleisch in den Keller treiben. Zudem seien die Möglichkeiten staatlicher Förderung, die das EU-Recht für kleine Höfe zulässt, noch längst nicht ausgeschöpft.

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