Teure Flughäfen : Steuerzahler legen Millionen drauf

Flughafen Trollenhagen: Der Abzug der Bundeswehr beunruhigt Geschäftsflieger. Foto: dpa
Flughafen Trollenhagen: Der Abzug der Bundeswehr beunruhigt Geschäftsflieger. Foto: dpa

Millionenverluste auf der Rollbahn: Die defizitären Flughäfen in MV drohen das Land immer stärker zu belasten. In den vergangenen 20 Jahren hat Schwerin knapp 141 Millionen Euro in Flughäfen und Landebahnen gesteckt.

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24. Juni 2012, 07:39 Uhr

Schwerin | Millionenverluste auf der Rollbahn: Die defizitären Flughäfen in MV drohen das Land immer stärker zu belasten. In den vergangenen 20 Jahren hat Schwerin knapp 141 Millionen Euro in neun Flughäfen und Landebahnen im Nordosten gesteckt. 114 Millionen Euro zur Förderung von Investitionen, knapp 13 Millionen Euro als Verlustausgleich und 13,5 Millionen Euro für die Förderung von Fluglinien, geht aus einer Beihilfeliste des Verkehrsministeriums hervor. Insgesamt 62 Millionen Euro flossen allein nach Laage.

Auf die Steuerzahler kommen jetzt noch höhere Lasten zu: Der Landtag hatte in dieser Woche mit dem Doppelhaushalt beschlossen, Rostock-Laage 2012 und 2013 je 500 000 Euro, Heringsdorf insgesamt 55 000 Euro als Verlustausgleich zu zahlen. Nicht genug: Jetzt machen Heringsdorf und Trollenhagen dem Land weitere Verlustrechnungen auf und pochen auf mehr Finanzhilfe.

Nach dem Abzug der Bundeswehr vom Flughafen Trollenhagen müsse sich neben dem Bund auch das Land beteiligen - in welcher Form auch immer, erklärte ein Sprecher des Landkreises Mecklenburg-Strelitz. Derzeit würden verschiedene Modelle geprüft, wie der Platz auch ohne Bundeswehr weiter betrieben werden könne. In Neubrandenburg-Trollenhagen schießen die Stadt und der Kreis jährlich 200 000 Euro zu. Ohne die Beteiligung der Bundeswehr rechnen Experten mit weiter steigenden Verlusten. Für die Nachnutzung des Flugplatzes, der 2010 gerade einmal 2000 Fluggäste im gewerblichen Luftverkehr zählte, müssten weitere Beteiligte geworben werden, forderte der Kreis Mecklenburg-Strelitz.

Auch in Heringsdorf drohen die jährlichen Verluste von 500 000 Euro den Landkreis Vorpommern-Greifswald zu überfordern. Das kann der Landkreis nicht mehr allein leisten, erklärte Norbert Raulin, SPD-Fraktionschef im Kreistag. Angesichts der Haushaltslage müsse der Kreis den Verlustausgleich auf 250 000 Euro halbieren. Neben den Hoteliers und der Tourismuswirtschaft der Region sollte sich auch das Land stärker engagieren: "Alle, die einen Nutzen von dem Flughafen haben und Verantwortung für die Infrastruktur tragen, müssen sich beteiligen", sagte Raulin. Im vergangenen Jahr nutzen 25 700 Fluggäste den Landeplatz an der Küste. Das Land habe in den vergangenen Jahren Investitionen in Heringsdorf gefördert, da müsse es auch im Interesse des Landes liegen, das der Flughafen weiter betrieben werden könne.

Das Land will von den kommunalen Finanzforderungen indes nichts hören: Die Landesregierung habe sich darauf verständigt, nur noch einen Flughafen im Land, Rostock-Laage, zu fördern, erklärte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) und lehnte darüberhinausgehende Hilfen ab. Alle regionale Flughäfen würden "ausnahmslos" mit einem Defizit arbeiten. Sie würden aber auch Potenziale für die Wirtschaft und den Tourismus für die jeweilige Region bieten, meinte Schlotmann. Daher müsse sich die regionale Wirtschaft an den Kosten eines Flughafens beteiligen, forderte der Verkehrsminister.

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