zur Navigation springen

Zarrentin : Steuern auf dem Schulhof verschwendet

vom
Aus der Onlineredaktion

Zweifel an Auftragsvergabe für Schule in Zarrentin

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Teurer Fehler auf dem Schulhof: Für ein offenbar misslungenes Ausschreibungsverfahren der Stadt Zarrentin für den Entwurf eines neuen Schulcampus müssen die Steuerzahler für Zusatzkosten von einer viertel Million Euro geradestehen. Mit einem Berliner Architekturbüro sei nach einer entsprechenden Beschwerde gegen die Projektauswahl ein Vergleich geschlossen und 250 000 Euro überwiesen worden, bestätigt Zarrentins Bauamtsleiter Dirk Schiewer – nach einem vergaberechtlichen Nachprüfverfahren vor Gericht.

Ein Schuldeingeständnis? Die 5100-Einwohner-Kleinstadt am Schaalsee im Landkreis Ludwigslust-Parchim wollte in einen neuen Schulkomplex investieren und hatte dafür einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben – ohne eine Kostenschätzung für das Gesamtprojekt zu verlangen. 2018 soll mit dem Bau begonnen werden, das Land stellt acht Millionen Euro Fördergeld in Aussicht. 88 Architekturbüros reichten ihre Entwürfe ein. Eine neunköpfige Jury hatte sich schließlich für das Projekt der Bietergemeinschaft vom Berliner Architektenbüro ludloff+ludloff und Herrburg Landschaftsarchitekten entschieden. „Ein herausragendes Projekt“, meinte Zarrentins Bürgermeister Klaus Draeger (Wählergemeinschaft Bürgernahe für Bürgernähe) seinerzeit: „Ein ganz, ganz wichtiger wie auch entscheidender Schritt auf dem Weg zur Realisierung dieses ehrgeizigen Vorhabens“, lobte er, bevor sich die Stadt dann doch für den Entwurf des Drittplatzierten des Architektenwettbewerbs entschied, eines Büros aus Lübeck, das bereits für ein anderes Projekt in Zarrentin den Zuschlag bekam. Aus Kostengründen, versuchte Bauamtsleiter Schiewer zu begründen. Im Nachhinein seien die Kosten verglichen worden. Dabei hätten die Lübecker niedriger gelegen als die Berliner Berufskollegen.

Eine Idee: viel Raum für die Schüler von Zarrentin
Eine Idee: viel Raum für die Schüler von Zarrentin Landschaftsarchitekten Foto: ludloff + ludloff Architekten / Herrburg Landschaftsarchitekten
 

Ein zweifelhaftes Verfahren: Bei der Ausschreibung des Wettbewerbs sei „ausdrücklich auf eine Kostenschätzung verzichtet“ worden, stellte Laura Fogarasi-Ludolff klar. Nach der Ausschreibung sei eine „Verpflichtung der Stadt abzuleiten“ gewesen, den Planungsauftrag auch an das Berliner Architekturbüro zu erteilen. Hat sie aber nicht und den Drittplatzierten bevorzugt.

Für die Auftragsberatungsstelle der Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern (ABST) ein klarer Verstoß gegen die Ausschreibungspraxis: Der Wettbewerb hätte deutlicher als Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden müssen, erklärte ABST-Chef Klaus Reisenauer. So habe der Erstplatzierte davon ausgehen können, dass er den Projektzuschlag erhalten werde. Das Zarrentin nach den Fehlern im Nachhinein 250 000 Euro zahle, sei „Verschwendung von Steuergeld“.

Die Stadt will Fehler nicht erkennen: Bürgermeister Draeger wollte keine Stellung nehmen. Bauamtsleiter Schiewer verwies darauf: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Auf eine klare Kostenangabe sei in dem Wettbewerb „bewusst“ verzichtet worden, weil bei dem Projektstand ohnehin bei der Angaben der Kosten „gelogen“ werde.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen