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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 21:06 Uhr

Sternenglanz und dunkle Wolken

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2012 | 08:07 Uhr

Berlin | Zurück zur Normalität, zum Alltagsgeschäft des ersten Mannes im Staate - Bundespräsident Christian Wulff sehnt sich danach: "Die letzten Wochen waren so, dass man sich das nicht noch einmal zumuten muss", sagte Wulff gestern beim Empfang für die Sternsinger in Schloss Bellevue. Eigentlich will er gerade zum Abschluss mit den Sternsingern zur Besichtigungstour durch das Schloss aufbrechen, als doch eine Frage nach seinem Befinden gestellt wird. Er nutzt die Gelegenheit und ergänzt: Er freue sich, "dass das Jahr 2012 losgeht und ich mich meinen eigentlichen Aufgaben widmen kann".

Merkels "große Wertschätzung"

Der Botschafter von Sambia war schon da, jetzt die Sternsinger - präsidialer Alltag. Doch parallel dazu gehen die Debatten weiter: um Wulffs Hauskredit, seine ungeschickte Verteidigungsstrategie, den Streit mit der Bild-Zeitung. Während Wulff die Sternsinger empfängt, lässt zumindest die Kanzlerin über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert im neuen Jahr Rückendeckung erklären: "Die Bundeskanzlerin hat große Wertschätzung für Christian Wulff als Menschen und für Christian Wulff als Bundespräsidenten."

Zwar konnte Wulff mit seinem Fernsehauftritt vom Mittwochabend die Zuschauer nicht mehrheitlich überzeugen, doch will ihm die Mehrheit noch eine Chance geben: Laut einem "ARD-Deutschlandtrend extra" hielten zwar 61 Prozent der Befragten, die sein Interview gesehen hatten, ihn für eher nicht überzeugend - doch 60 Prozent waren der Ansicht, er habe "eine zweite Chance verdient".

Aber Ruhe kehrt nicht ein: Nachdem die Bild-Zeitung am Donnerstag Wulffs Darstellung im Fernsehinterview widersprochen hatte, er habe den Bild-Artikel über seinen privaten Hauskredit nicht unterbinden, sondern nur Verschiebung um einen Tag erreichen wollen, widersprach gestern auch die BW-Bank einer Wulff-Äußerung im Interview. Er hatte die mündliche Vereinbarung über den neuen Kredit im November so dargestellt, als wenn das Geschäft damit unter Dach und gewesen wäre. Die Bank stellte klar: "Ein Kreditvertrag mit Verbrauchern bedarf der Schriftform." Den Vertrag hatte die Bank Wulff am 12. Dezember gesandt, unterschrieben hatte er am 21. Dezember. Der Bild-Artikel über die ursprüngliche Privatfinanzierung seines Hauskaufs war am 13. Dezember erschienen.

Die Grünen in Niedersachsen erhöhten gestern den Druck, legten einen Katalog mit 100 Fragen vor - schließlich geht es weiterhin um die Frage, ob Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident mit dem Kredit gegen das Ministergesetz verstoßen hat.

Bettinas neue Kleider

Und noch mehr dunkle Wolken: Auch Wulffs Ehefrau Bettina geriet gestern ins Visier: Die First Lady habe mehrfach Designerkleidung zur Verfügung gestellt bekommen, berichtet "Focus". Die Kleidung sei gekauft oder gegen Gebühr geliehen worden. "Einige wenige Kleider werden unentgeltlich, leihweise bereitgestellt, und als geldwerter Vorteil in den Steuererklärungen angegeben. Frau Wulff macht keine Werbung für Mode und Schmuck", erklärte das Präsidialamt.

Unterdessen ging das Rätselraten um die genauen Botschaften Wulffs bei seiner Mailbox-Nachricht an Bild-Chef Kai Diekmann weiter. Hatte er im Dezember gedroht, wollte er das Erscheinen des Artikels ganz verhindern? Wulff hatte sich mit der Veröffentlichung des Wortlautes nicht einverstanden erklärt. Die Bild-Redaktion sandte ihm gestern eine Abschrift, damit er sich "bei Aussagen darüber nicht nur auf seine Erinnerung stützen muss".


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