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Bastler aus Witzin sorgt mit neuer "Erfindung" für Aufsehen : Sternberger Seifenkiste segelt auf Eis

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In Witzin haben offensichtlich etliche Erfinder ihre Heimstatt gefunden. Zu ihnen gehört Baldur Beyer, der schon musikalisch mit seinen Alphörnern von sich reden machte. Sein neuestes Patent jedoch ist ein Eissegler.

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erstellt am 01.Feb.2013 | 10:53 Uhr

In dem kleinen Dorf Witzin bei Sternberg haben offensichtlich etliche Erfinder ihre Heimstatt gefunden. Zu ihnen gehört der 76-jährige Baldur Beyer, der schon musikalisch mit seinen Alphörnern von sich reden machte. Sein neuestes Patent jedoch ist ein Eissegler, der schon in Erstaunen versetzen kann. Denn was sich im vergangenen Jahr aus der Beyerschen Werkstatt als siegreiche Seifenkiste bewährt hat, präsentiert sich jetzt als stolzer Eissegler. Natürlich nach etlichen Umbauten. Auf der Kemmlade in Witzin, gleich hinter dem ehemaligen Resthof, absolvierte das Gleitgefährt mit seinem Erfinder an den jüngsten Frosttagen seinen Probe-Stapellauf.

Die Idee, einen Eissegler zu bauen, spukte schon seit über 40 Jahren im Kopf des heute 76-Jährigen herum. Schon vor Jahren gab es einen ersten Versuch, ein solches Wintersportgerät zu bauen. Baldur Beyer baute seinen ersten Segler aus Holz und ließ ihn auf dem Sildemower See bei Rostock bei starkem Wind über die Eisfläche flitzen. Doch bei dieser Testfahrt gab es damals einen Sturz und das Gefährt ging zu Bruch. Einzelne Bruchstücke lagern heute noch in der Werkstatt des Hobby-Bastlers und erinnerten ihn immer wieder an sein Vorhaben.

Im vergangenen Jahr nun fand in Witzin im Rahmen des Dorffestes ein Seifenkistenrennen statt. Auch Baldur Beyer beteiligte sich daran. In Vorbereitung auf dieses Rennen baute er ein ganzes Jahr lang an seiner "Seifenkiste" herum, die jetzt als Grundmodell für seinen Eissegler diente. "Als Material besorgte ich mir ein rechteckiges Stahlrohr, das von einer Federkernmatratze stammte und das ich nach einer Zeichnung mit Trennschleifer und Schweißgerät bearbeitete", so der Konstrukteur. "Seine Länge beträgt 3,20 Meter und die Breite 1,45 Meter."

Der Sitz sei aus einem ehemaligen Garten-Plastestuhl aus DDR-Zeiten entstanden, den er auf einem Schrottplatz in Bützow fand. Auch zwei Steuerköpfe von alten Fahrrädern kamen zum Einsatz. Auf das Untergestell setzte Baldur Beyer den Mastbaum mit einem 470er-Segel, also 4,70 Quadratmeter. Das Segel entspricht der gleichnamigen Bootsklasse, eben wie dem eines Olympia-Segelbootes. Als Schienen dienten dem Tüftler ehemalige Eisschnelllauf-Kufen. "Ich kreuze mit meinem Segler beim Bremsen gegen den Wind", erklärt der ehemalige Lehrer und Leiter einer Rostocker Berufsschule. "Beim Eissegeln schaffe ich schon gut und gerne 50 bis 80 km/h bei entsprechender Brise. Wobei der Durchschnitt zwischen 40 km/h und 90 km/h liegt. Der Weltrekord wurde mit 237 km/h gemessen."

Doch Baldur Beyer hat schon wieder neue Ideen. "Im Sommer soll mein Segler mit Rädern ausgestattet und damit wieder umfunktioniert werden zum Strandsegler", erzählt er lachend. "Wobei dann Mopedräder zum Einsatz kommen werden." Doch gegenwärtig tüftelt Baldur Beyer noch an einigen seiner Meinung nach Schwachstellen bzw. Verbesserungen am Eissegler herum. So will er den Sitz des Gefährts noch tiefer verlagern und die Kraft-Last-Verteilung (Segelschwerpunkt) überprüfen. Letztere hänge mit der Steuerung zusammen, die "noch zu schwach sei", so seine Ansicht.

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