„Stephan Jantzen": Die Kehrtwende

Ein Hin und Her: Vorerst bleibt die „Stephan Jantzen“ nun doch im Rostocker Stadthafen liegen. Foto: Georg Scharnweber
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Ein Hin und Her: Vorerst bleibt die „Stephan Jantzen“ nun doch im Rostocker Stadthafen liegen. Foto: Georg Scharnweber

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23. Juli 2012, 10:13 Uhr

Stadtmitte | Der Eisbrecher "Stephan Jantzen" könnte nun doch im Rostocker Stadthafen liegen bleiben. Gestern ließ der Schiffs-Eigner Paolo Zampolli die geplante Übergabe zum zweiten Mal platzen. Per E-Mail teilte der New Yorker Geschäftsmann dem Betreiberverein, die Interessengemeinschaft Eisbrecher "Stephan Jantzen", mit, dass er keinen Vertreter schicken könne. "Solange uns der Eigner keine bevollmächtigte Person präsentiert, können wir das Schiff nicht herausgeben", sagt Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Einen Ersatztermin für die geplatzte Übergabe nannte der Eigner in seinem Schreiben nicht. Stattdessen kündigte er an, noch einmal mit dem Betreiberverein über die Zukunft des Schiffes verhandeln zu wollen.

Nachdem die Flagge des Vereins vor genau einer Woche eingeholt wurde und die Rostocker Crew enttäuscht von Bord ging, hat das Schiff seit gestern wieder für Besucher geöffnet. So will Egelkraut sicherstellen, dass die Kosten für den Liegeplatz im Stadthafen bezahlt werden können. Diese belaufen sich auf mehrere tausend Euro im Monat. "Wir wollen die Vereinbarungen einhalten", so der Vereinsvorsitzende. Weil der Vertrag zwischen dem Betreiberverein und dem Eigner offiziell nicht gekündigt wurde, läuft dieser noch bis zum 20. September. Spätestens dann muss eine Lösung her.

Zampolli schweigt über seine Beweggründe

Egelkraut schließt nun nicht mehr aus, dass die "Stephan Jantzen" in Zukunft doch noch von der Interessengemeinschaft bewirtschaftet wird. "Wir müssen allerdings die Interessen des Eigners abwarten", so Egelkraut. In seiner E-Mail kündigte der Schiffs-Eigner an, dass er für die Verhandlungen jemanden schicken wolle. Doch wer das sein wird und wann es tatsächlich zu einem Treffen kommt, ist noch völlig offen. Egelkraut hofft jedoch vor allem, dass es möglichst sein wird, denn die Ungewissheit ist für alle Vereinsmitglieder belastend.

Wer für die Verhandlungen nicht in Frage kommt, scheint allerdings klar: Lubin Reyes und Kai Gunter Lehmann. Ende des vergangenen Monats war Zampollis Londoner Vertreter Reyes zu Gast in Rostock und sah sich die Arbeit der Crew vor Ort an. Er wollte dem Geschäftsmann empfehlen die "Stephan Jantzen" in Rostock zu belassen. Doch Reyes soll mittlerweile gekündigt worden sein. Das teilte Stephan Bohnsack, der Sprecher der Interessengemeinschaft Eisbrecher "Stephan Jantzen", mit. Der Heidelberger Lehmann, der bereits zur geplanten ersten Übergabe in der vergangenen Woche anwesend sein sollte, scheint vorerst ebenfalls nicht als Verhandlungspartner in Frage zu kommen - er ist nicht vom Eigner bevollmächtigt. "Für uns ist Lehmann auch kein Ansprechpartner", so Hafenkapitän Ruhnke, der nun täglich damit rechnen muss, dass jemand kommt und das Schiff entgegennimmt.

Auf das Hin und Her haben die Besatzungs-Mitglieder keine Lust. Zampolli schweigt bisher über seine Beweggründe. Damit bleibt unklar, warum er die Crew erst von Bord schickte, um sie eine Woche später noch einmal an den Verhandlungstisch zu bitten. Bohnsack vermutet, dass Zampolli erst jetzt gemerkt hat, dass mit dem Schiff kein Geld zu verdienen ist, sondern es im Gegenteil noch etwas kostet.

Zwischen Baum und Borke

Ursprünglich plante der Geschäftsmann aus der "Stephan Jantzen" einen Luxus-Eisbrecher zu machen. Doch aus den Plänen wurde nichts - womöglich weil die Umbaumaßnahmen mehrere Millionen Euro gekostet hätten. Offenbar hatte der New Yorker zuletzt neue Pläne: Er wollte den Eisbrecher in eine Werft nach Polen verholen, um ihn wieder für neue Aufgaben zu rüsten. Welche das sein sollten, ließ er aber offen. Wie es mit dem Verein und dem Schiff weitergehen soll, weiß Bohnsack nicht: "Wir stehen jetzt zwischen Baum und Borke."

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