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Trauerfeier heute in Gadebusch : Stepenitz-Baby erhält eine Grabstätte

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Das Baby wurde nur wenige Tage alt. Ein Angler fand das tote Kind am 8. Dezember vergangenen Jahres am Ufer der Stepenitz. Heute um 10 Uhr soll es auf dem Friedhof in Gadebusch seine letzte Ruhestätte bekommen.

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erstellt am 07.Feb.2012 | 07:47 Uhr

Gadebusch | Das Baby wurde nur wenige Tage alt. Ein Angler fand das tote Kind am 8. Dezember vergangenen Jahres am Ufer der Stepenitz nahe des Dorfes Gottmannsförde (Landkreis Nordwestmecklenburg). Heute um 10 Uhr soll es auf dem Friedhof in Gadebusch seine letzte Ruhestätte bekommen.

Von der Mutter fehlt noch immer jede Spur. "Es hat zahlreiche Hinweise und umfangreiche Ermittlungen gegeben, die bisher zu keinem zählbaren Ergebnis geführt haben", sagte Stephan Hagemann, Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zeugenaussagen wurden untersucht, Personen in verschiedenen Teilen Norddeutschlands überprüft und DNA-Analysen verglichen. Normalerweise fällt eine Schwangere auf, die plötzlich kein Kind mehr hat, so Oberstaatsanwalt Hagemann. Doch in diesem Fall blieb die Mutter bisher unbekannt. Auch weiß man nicht, ob weitere Personen beteiligt waren.

Einigen Hinweisen müsse noch nachgegangen werden. Doch die Aussichten mehr über das tote Kind zu erfahren, scheinen derzeit gering. "Eine heiße Spur gibt es nicht", bestätigte Hagemann. Wenn die letzten Hinweise abgearbeitet sind, werde das Verfahren eingestellt.

Ein 39-jähriger Angler hatte den unbekleideten erst wenige Tage alten Jungen gefunden. Er war nicht von der Stepenitz angeschwemmt worden. "Fundort ist gleich Ablageort", sagte damals die Polizei. Die Leiche könnte bereits mehrere Tage dort gelegen haben.

Die Gerichtsmedizin stellte später als Todesursache fest, dass das Baby erstickt ist. Spuren von äußerlicher Gewalt fanden die Mediziner laut Staatsanwaltschaft nicht am kleinen Körper. Woran der Säugling erstickt ist, wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Dies ist Täterwissen. Fest steht laut Untersuchungen, dass das Baby lebend zur Welt gekommen war.

Im Fall des toten Säuglings wird es einen Ort des Gedenkens geben. Nachdem die Staatsanwalt den Leichnam zur Bestattung freigegeben hatte, organisierte die Gadebuscher Kirchgemeinde die Trauerfeier und die Beisetzung des Säuglings. Damit das namenlose Kind "nicht einfach verscharrt wird", wie Pastorin Ariane Baier sagte, stellt die Kirche einen Grabplatz zur Verfügung. "Ich habe lange überlegt, ob wir die Beisetzung in aller Stille wählen. Aber ich denke, es ist besser mit der Botschaft ,Achtet aufeinander in die Öffentlichkeit zu gehen", begründete die Pastorin die Entscheidung für eine öffentliche Beisetzung. Die Mutter des toten Babys habe möglicherweise aus tiefer Verzweiflung und Hilflosigkeit gehandelt, vermutet Frau Baier. Unverständlich sei dennoch, warum die Frau statt an das Flüsschen Stepenitz nicht zur Babyklappe nach Schwerin gefahren ist. "Das junge Leben hätte eine Zukunft haben können."

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