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Rostock : Steinmeier streut Salz in die Wunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundespräsident thematisiert in Rostock Problemthemen der Politik und lobt Engagement der kleinen Leute

von
erstellt am 18.Jul.2017 | 20:55 Uhr

„Eigentlich ist ja Strandwetter.“ Als Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern Abend mit einer halbstündigen Verspätung im Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) ankommt, wandert sein Blick gen Dünen. „Es gibt zwei gute Gründe, weshalb wir zu spät sind“, setzt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an: „Wir waren ein bisschen zu lange mit dem Seenotrettungskreuzer unterwegs, einfach weil es schön war. Und unser Bundespräsident kann an niemandem vorbeigehen, der Hallo sagt.“

Frank-Walter Steinmeier ist ein Fan der Seenotretter. Vor rund zwei Monaten hat er die Schirmherrschaft über die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übernommen. Hier im Nordosten zeigte er sich beeindruckt von dem Engagement der Seenotretter, die Wind und Wetter trotzen, um anderen das Leben zu retten und dabei mitunter ihr eigenes riskieren.

Auf der Werft Tamsen Maritim überzeugte sich Steinmeier von der Qualität der Einsatzfahrzeuge. Bis 2019 sollen auf der Rostocker Werft sieben weitere Seenotrettungsboote gebaut werden. Mindestens genauso wichtig wie der Besuch der Seenotretter war Steinmeier gestern der Austausch mit Frauen in Führungspositionen. Im IOW traf er auf die Entscheiderinnen des Landes, auf Wissenschaftlerinnen, Geschäftsführerinnen. „In dieser Runde fühle ich mich wie im Schloss Bellevue. Bei meiner ersten Besprechung saßen 14 Leute am Tisch und ich war der einzige Mann“, erzählt er. Ein Paradebeispiel. Eine Ausnahme. Das wisse er. „Es gibt noch keine gerechte Chancenverteilung. Und schon gar nicht in der Politik.“ Aber als Bundespräsident dürfe er Salz in die Wunden streuen, die Politik auf Schwachstellen hinweisen, seine Kollegen zur Reaktion auffordern. Dass er nun selbst weniger Entscheidungen treffen müsse, darüber sei er nicht traurig.

Am Abend war Steinmeier der Ehrengast bei der Verleihung des Engagementpreises Mecklenburg-Vorpommern im Zirkus Fantasia. „Wir alle leben von der Solidarität der anderen“, sagt er. Eine Solidarität, die in kaum einem anderen Bereich so deutlich zu spüren sei wie im Ehrenamt. „Es braucht Menschen, die nicht nachlassen, die anpacken, die andere anstecken, die Lösungen entwickeln.“

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