Bundespräsident in Linstow : Steinmeier: Deutschland braucht selbstständig denkende Soldaten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf der 58. Historisch-Taktischen Tagung der Marine in Linstow.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf der 58. Historisch-Taktischen Tagung der Marine in Linstow.

Marinetagung in Linstow: Bundespräsident würdigt offene Diskussion der Soldaten: „Leuchten, ohne zu blenden“

svz.de von
10. Januar 2018, 13:35 Uhr

Hoher Besuch im Resort Linstow. Das größte Ferienresort Mecklenburg-Vorpommerns mit 2000 Betten gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Überall Beamte des Bundeskriminalamtes mit Knopf im Ohr, bewaffnete Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren, Polizisten kontrollieren alles und jeden, Sprengstoffspürhund „Dak“ checkt noch einmal das komplette Foyer. Dann fährt die Staatskarosse mit dem prägnanten Kennzeichen „0-1“ vor. Auf der Motorhaube weht die deutsche Flagge mit dem Bundesadler. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht die 58. Historisch-Taktische Tagung der Marine in Linstow.

Steinmeier wirkt locker, lächelt, als er den Valkensaal, den größten Veranstaltungsraum des Linstower Resorts betritt. 600 Offiziere, die komplette Führungselite der Bundesmarine, stehen stramm. Wie mit einer Stimme schallt es ihm entgegen: „Guten Morgen, Herr Bundespräsident.“ Der höchste Repräsentant des Staates wird eingerahmt vom Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, sowie seinem Stellvertreter, Vizeadmiral Rainer Brinkmann. Steinmeier, der bisher noch keinen Antrittsbesuch bei der Marine gemacht hat, entschuldigt sich zu Beginn seiner Rede: „Ich selbst habe meinen Wehrdienst damals bei der Luftwaffe abgeleistet – ich bitte um Nachsicht.“ Ein Raunen geht durch die versammelten Sealords.

<p>Knapp 600 Offiziere und Soldaten nehmen an der 58. Historisch-Taktischen Tagung der Marine in Linstow teil Sie diskutieren unter dem Thema «Menschen in Grenzsituationen - Handeln und Führen im Widerstreit von Moral und Maßgabe, Wahrnehmung und Wirklichkeit» die laufenden und geplanten Einsätze im Zusammenhang mit der sicherheitspolitischen Lage in Europa.</p>
Jens Büttner

Knapp 600 Offiziere und Soldaten nehmen an der 58. Historisch-Taktischen Tagung der Marine in Linstow teil Sie diskutieren unter dem Thema «Menschen in Grenzsituationen - Handeln und Führen im Widerstreit von Moral und Maßgabe, Wahrnehmung und Wirklichkeit» die laufenden und geplanten Einsätze im Zusammenhang mit der sicherheitspolitischen Lage in Europa.

Dann wird der Bundespräsident konkreter, bescheinigt der Marine „zu leuchten, ohne zu blenden“. Und schiebt hinterher: „Das könnte derzeit auch ein gutes Motto für die Politik sein.“ Gelächter und Applaus. Steinmeier hält am roten Faden seiner Rede fest: „Leuchten, ohne zu blenden. Dieses Prinzip von Professionalität, Leistung und Understatement, darin erkenne ich das Selbstverständnis der Marine. Ich erkenne es in ihrer Arbeit in den Einsatzgebieten im Mittelmeer und am Horn von Afrika, im Beitrag der Marine zur Landes- und Bündnisverteidigung und bei der Bewältigung der eigenen Modernisierungsaufgaben, hier in Deutschland.“ Die 600 Marinesoldaten hören aufmerksam zu, man könnte ein Stecknadel fallen hören.

Steinmeier kommt auf die Historisch-Taktische Tagung zu sprechen, die bereits zum 58. Mal und zum dritten Mal im Resort Linstow stattfindet. Seit Mittwoch setzen sich hier junge und ältere Offiziere mit historischen und aktuellen Themen auseinander. Das jährlich größte Gesprächsforum der Marineoffiziere hat 2018 das etwas abstrakte Generalthema „Menschen in Grenzsituationen – Handeln und Führen im Widerstreit von Moral und Maßgabe, Wahrnehmung und Wirklichkeit“. Das Thema unterstreiche „die Fragen nach Menschen in Grenzsituationen und nach der kritischen Reflexion von militärischem Handeln und militärischer Führung “, so Steinmeier. „Und gerade dieses ehrliche Ringen um den eigenen Anspruch, dieses professionelle Nachdenken über den eigenen Beruf, das ist an diesem Format so beeindruckend. Es zeigt mir, dass Sie hier in sicherem Fahrwasser unterwegs sind: Indem Sie die eigene Geschichte ausleuchten, und auch den Weg nach vorn, und dabei jedenfalls niemanden blenden.“

Steinmeier schmeichelt den Soldaten, bescheinigt ihnen, dass sie „Bewundernswertes für unser Land leisten“. „Deutschland braucht eine leistungsfähige, selbstbewusste und denkende Bundeswehr – und mit der Historisch-Taktischen Tagung leistet die Marine einen Beitrag dazu“, schließt er seine Rede. Die Offiziere erheben sich von ihren Sitzen und applaudieren. Von den weiteren Gesprächen des Bundespräsidenten mit der Marine-Führungsspitze ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Resort-Marketingchefin Heike Gebauer ist begeistert von dem prominenten Besuch. Bis zu zehn solcher großen Tagungen gebe es jedes Jahr in Linstow. „Aber der Bundespräsident war noch nie hier“, sagt sie. „Ich freue mich sehr, ihn mal persönlich kennenzulernen. Ich durfte sogar ein Foto mit ihm schießen“, freut sich Heike Gebauer.

>> Hier finden Sie einen Überblick über die Einsätze der Marine.

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