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Amt verhängt Ordnungsgeld : Steinesammeln verboten

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An den Strand von Börgerende zwischen Warnemünde und Heiligendamm lockt es außerhalb der Badesaison Häuslebauer, die eimerweise Steine als Baumaterial nach Hause schaffen. Doch das ist verboten.

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erstellt am 26.Apr.2011 | 08:36 Uhr

Börgerende | Beliebte Erinnerungen an einen Strandspaziergang sind Muscheln, Hühnergötter oder andere außergewöhnlich aussehende Steine. An den Strand von Börgerende zwischen Warnemünde und Heiligendamm lockt es vor allem außerhalb der Badesaison auch ganz andere Steinesammler, nämlich Häuslebauer, die eimerweise Steine als Baumaterial nach Hause schaffen. Das geschieht meist bei Nacht und Nebel, denn den meisten ist das Halblegale ihres Treibens schon bewusst, wie Hans-Joachim Meier, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt in Rostock, sagt.

"Das sind Steine, die dem Küstenschutz dienen", betont Meier. Der Geröllwall im Strandbereich von Börgerende sei schließlich eine mit Landesmitteln errichtete Küstenschutzanlage, für deren Erhalt das Amt verantwortlich sei. "Wir weisen im gesamten Strandbereich mit Schildern darauf hin, dass es aus Gründen des Sturmflutschutzes untersagt ist, Sand, Kies, Geröll und Steine vom Strand zu entnehmen", sagt Meier. Bei Börgerende sei es besonders kritisch, denn der Schotter ist nicht nur Schutz für die sandigen Abschnitte, sondern auch für den Deich, der das Hinterland schützen soll.

"Wir legen gerade eine Böschung an"

Die meisten Einwohner sähen das auch ein. Anderer Meinung ist ein Strandspaziergänger, der zwischen Jemnitzschleuse und Börgerende Steine gesammelt hat. "Mein Gott, bei so vielen Steinen kommt es doch auf die paar nicht an", rechtfertigt er sich, während er gerade seinen zweiten Eimer bis über den Rand mit großen Kieseln füllt. Er könne die Steine beim Hausbau an "allen Ecken und Kanten" gebrauchen. 20 bis 30 Euro kostet eine Tonne Sand und Kies, bei regelmäßigen Spaziergängen ist da schnell eine ordentliche Summe gespart. Auch eine Frau sucht Steine am Strand, drei große mit 20 bis 30 Zentimeter Durchmesser hat sie schon in ihrer großen Tüte. "Wir legen bei unserem Anbau gerade eine Böschung an, und damit die Pflanzen im oberen Bereich nicht vom Regen weggespült werden, ist eine Mauer aus diesen Steinen optimal und sieht toll aus", sagt sie.

Wenn der Kofferraum ihres Autos mit Steinen voll sei, gehe es nach Hause. Diesmal ist es nur ein Kleinwagen, aber in den Meldungen an das Umwelt-Amtes wurde durchaus schon über größere Fahrzeuge berichtet, mit denen Steine abtransportiert wurden. Das sei schon kein Kavaliersdelikt mehr. "Das Geröll stellt einen natürlichen Schutz für den darunter liegenden Sand dar. Es verhindert, dass der Sand durch die Wellen fortgespült wird. Außerdem trägt das Geröll zur Wellendämpfung bei", sagt der Amtsleiter. Diese Eigenschaften würden für den Küstenschutz genutzt.

Sammeln von Hühnergöttern ist erlaubt

Mit diesen Erklärungen konfrontiert, werden auch die beiden Steine sammler nachdenklich. Mit ihrem Treiben graben sie sich möglicherweise selbst den Küstenschutz ab. Denn das Hinterland im Bereich Börgerende-Rethwisch und Heiligendamm bis nach Bad Doberan liegt nur wenige Zentimeter über dem normalen Wasserspiegel. Bad Doberans Landrat Thomas Leuchert (SPD): "Wenn hier der Deich bricht, steht bei Sturmflut bis zur sieben Kilometer entfernten Kreisstadt alles unter Wasser" - und damit auch die Häuser der beiden Steinesammler. Bislang hatten sie Glück. Das Amt spricht nicht nur Verwarnungen aus, sondern verlangt auch Bußgeld, sollte ein Steine sammler auf frischer Tat ertappt werden. "Nicht betroffen von diesem ausdrücklichen Verbot ist selbstverständlich das Sammeln von Hühnergöttern oder einzelnen Steinchen bei Strandwanderungen", sagt Meier.

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