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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:56 Uhr

Steinacker: Ein Kübelwagen fehlt noch

vom

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erstellt am 07.Feb.2012 | 11:02 Uhr

Berge | Können Sie sich rühmen, stolzer Besitzer von 178 Trabis zu sein? Peter Steinacker aus Berge kann es - wenngleich sich seine vielen Zweitakter nicht für die Fahrpraxis eignen. Sie sind "nur" Modellautos. Aber trotzdem: Es auf 178 Stück unterschiedlicher Modellgröße, Farbe, Aufkleber und Herstellerfabrikate zu bringen, das muss man erst mal nachmachen.

Erwähnt sei ebenso, dass mit Peter Steinacker ein Alt-Bundesbürger sein Sammlerherz für den Trabant entdeckte, und das bereits vor der Wende. "Der Trabant war für mich schon immer ein Kultauto", erzählt der pensionierte Optikermeister, der 2004 von Leverkusen nach Berge zog. An Modelle heran zu kommen, sei für ihn jedoch vor 1990 nicht einfach gewesen. Mit dem Mauerfall reiste der Leverkusener mehrmals nach Berlin und stockte dabei auch seine Trabisammlung auf.

Doch sollte es nicht nur bei Modellen bleiben. "Ich muss unbedingt einen richtigen Trabant haben", sagte sich Peter Steinacker - ein Wunsch, bei dessen Erfüllung ein Freund aus Hohenstein-Ernsttal half. "Das war im Winter 1991, es war fürchterlich kalt und die zum Verkauf stehenden Trabis waren alle zugeschneit und eingefroren." Doch klappte es dann doch, dass ein Trabant mit Chemnitzer Kennzeichen anrollte, "an Bord einen Ersatzkanister und einen Satz Reifen", erinnert sich Steinacker. Seine Frau fiel fast in Ohnmacht, hatte sie ihm doch mit auf den Weg gegeben, bloß nicht mit einem Trabant wiederzukommen.

Der Optikermeister ließ seinen "kackgelben" Neuerwerb schwarz umlackieren und mit Brillenmotiven dekorieren - als rollende Reklame für sein Geschäft. "Alle haben große Augen gemacht, denn keiner wusste, was das für ein Auto ist", schmunzelt Steinacker noch heute. Die Lenkradschaltung bedeutete schon eine Umstellung, wurde dann aber schnell zur Routine. Gewöhnungsbedürftiger war da schon die Benzinhahn-Handhabung einschließlich Umstellung auf Reserve und das Tanken mit Öffnen der Motorhaube.

Als der Sohn des Chemnitzer Freundes in Leichlingen bei Leverkusen heiratete, sollte ursprünglich ein Rolls Royce das Hochzeitsauto sein - letztendlich wurde es jedoch Steinackers schwarz lackierter Trabant: Da noch ohne Werbung, dafür reichlich blumengeschmückt, mit ausgebautem Beifahrersitz, der einer Bar weichen musste. Steinacker selbst war der Chauffeur: "Von der Körpergröße her passte gar der Zylinder auf den Kopf", meint der 1,87-Meter-Mann. Einziges Problem sei gewesen, die Knie unter zu bringen. Schmunzelnd erinnert sich der Optikermeister i.R. auch daran, dass der Hochzeitstrabi Schülerscharen anzog, die eigentlich zur Verabschiedung einer Schulleiterin und eines Bürgermeisters zum Rathaus gekommen waren.

Drei Jahre tourte der "Brillen-Trabi" durch Leverkusen. Als umweltbewusster Mensch ließ Steinacker noch einen Kat einbauen, obwohl die Fachleute meinten, das bringe nicht viel. Auch wurde der Leverkusener Mitglied im Trabi-Klub Wuppertal und nahm an mehreren Treffen teil. 1995 meldete der Optikermeister seinen Trabi ab, wollte ihn verkaufen, fand jedoch keinen Interessenten. "Zum Verschrotten war er mir aber zu schade, und so holte ich ihn später nach meinem Umzug nach Berge nach und versah ihn mit einer Hängerkupplung für einen Tragekorb", erzählt Steinacker. Denn der Neu-Berger ist nicht nur Sammler, sondern auch Jäger. Und da kam ihm der geländegängige Trabi gerade richtig. In den Tragekorb hinein kamen die Abschuss-Erfolge des jagdlichen Tuns - zweieinhalb Jahre lang. Dann wurde die Freiwillige Feuerwehr Neuhausen Eigentümerin des Gefährts. Jedoch nicht für Jagdausflüge, sondern als Ersatzteilspender für ihren aufgemotzten Feuerwehrtrabi. Hier hatte die Kupplung ihren Geist aufgegeben. "Und damit schließt sich der Kreis - wertvolles Innenleben des Zwickauer Fabrikats tut weiter in der Gemeinde Berge ihren Dienst", freut sich Steinacker.

Doch zurück zur Trabi-Sammlung, zu der neben Modellen auch Bücher, Fahnen oder Emailleschilder gehören. Um seine Modellvielfalt zu erweitern, besuchte der Sammler jeden Trödelmarkt und machte alle möglichen Geschäfte ausfindig, in denen es Trabi-Modelle geben könnte. Zu den ausgefallenen Errungenschaften gehören unter anderem eine Trabi-Spardose und ein Drugster mit riesigen Reifen. Die letzten Neuanschaffungen sind ein Notarzt-Wagen sowie ein Polizei- und Feuerwehrfahrzeug im Maßstab 1:25. Das kleinste Trabi-Modell ist gerade mal 1,5 Zentimeter groß. "Heute gibt es kaum noch etwas Neues, der große Boom ist durch und der Markt ziemlich geschrumpft", konstatiert der Sammler. Was ihm noch fehlt und was er unbedingt haben möchte, ist ein Trabi-Kübel aus NVA-Zeiten. "Vielleicht kann mir da jemand einen heißen Tipp geben", meint Steinacker.

Der Berger dürfte übrigens Lesern des "Prignitzers" als Sammler kein Unbekannter sein. Unter der Überschrift "Der wilde Westen lässt grüßen" berichteten wir im März 2010 über sein imposantes Diorama von ca. 25 Quadratmetern Größe mit 1200 Figuren: Indianer, Cowboys, Büffel, Siedler, Soldaten, Trecks, Eisenbahn - kurzum allem, was die Siedlungsgeschichte Nordamerikas im 19. Jahrhundert darstellt. Die Gesamtzahl der Aufstellfiguren, die der heute 73-Jährige seit seinem achten Lebensjahr zusammentrug, liegt bei 1500 Stück. Und die Aufstellfiguren und Trabimodelle sind nicht die einzigen Sammelleidenschaften. "Ich habe mindestens 30 Sammelgebiete", schmunzelt Steinacker und nennt historische Bügeleisen, Fotoapparate oder Operngläser.

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