Rügen : Steilküste bröckelt weiter

Abbruch zwischen Königsstuhl und Sassnitz
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Abbruch zwischen Königsstuhl und Sassnitz

Spektakuläres NaturschauspieI: In den vergangenen Tagen stürzten Tausende Kubikmeter Sediment in die Tiefe

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11. Januar 2018, 05:00 Uhr

An Rügens Kreideküste ist es nach den starken Niederschlägen in den vergangenen Tagen zu mehreren Abbrüchen gekommen. Der größte Abbruch ereignete sich etwa in der Mitte der Strecke zwischen Königsstuhl und Sassnitz. Experten schätzen das Volumen auf rund 4000 Kubikmeter, wie das Umweltministerium gestern mitteilte. Grund sei das über einen Bach strömende Niederschlagswasser, das aus einer eiszeitlichen, sandigen Sedimentschicht in der Kreide austritt. Nach Angaben des Ministeriums laufen dort aktuell pro Tag rund 50 Tonnen Wasser über das Steilufer in die Ostsee. Dabei werde Sediment ausgewaschen und das Kliff destabilisiert.

Bei einem weiteren Abbruch rund 800 Meter weiter südlich stürzten rund 2000 Kubikmeter Kreide, Mergel und Sand in die Tiefe. An weiteren Stellen sei es zu Sedimentrutschungen gekommen. Verletzt wurde niemand.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) mahnte angesichts der aktuellen Steilküstenabbrüche zur Vorsicht. Wanderer sollten die vorgeschriebenen Wege nicht verlassen. „An aktiven Kliffs wie diesem besteht dauerhaft die Gefahr von Abbrüchen.“ Im Frühjahr sei die Gefahr besonders hoch, wenn sich nach dem Wechsel von Tau und Frostphasen Sediment aus dem Kliff lösen. Abbrüche an der Steilküste sind natürliche küstendynamische Vorgänge.

Nach den starken Niederschlägen der vergangenen Monate sind laut Umweltministerium die Kliffs wassergesättigt und dadurch instabiler als in den Trockenphasen. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia auf der Insel Hiddensee fielen im Jahr 2017 an der Nordküste Rügens rund 656 Liter Regen pro Quadratmeter. Das seien etwa 120 Prozent des langjährigen Mittels.

Aktive Kliffs wie am Königsstuhl gibt es auch bei Nienhagen, am Fischlandhochufer, am Dornbusch, in Sellin, Göhren, Zempin und Koserow. Dort sind den Angaben zufolge  Abbrüche am wahrscheinlichsten.

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