Steigende Strompreise werden zur Schuldenfalle

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09. Januar 2013, 08:12 Uhr

Schwerin/Neubrandenburg | Steigende Strompreise werden für Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend zur Schuldenfalle. Tausende haben inzwischen Mühe, die Kosten zu begleichen - mit fatalen Folgen. Allein die Wemag, die 140 000 Kunden vor allem im Westen Mecklenburg-Vorpommerns mit Strom versorgt, musste im vergangenen Jahr 1400 Anschlüsse wegen fehlender Zahlungen abklemmen. "Ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr", sagte Jost Broichmann, Pressesprecher des Unternehmens. Die Neubrandenburger Stadtwerke, die Strom in 39 000 Haushalte liefern, mussten im vergangenen Jahr etwa 540 Stromzähler von Schuldnern vorübergehend stilllegen. 2000 Mahnungen werden jeden Monat verschickt, so eine Unternehmenssprecherin. Die Schweriner Stadtwerke mit 64 000 Kunden meldeten bei unserer Umfrage 800 Stromsperren. Bei den Stadtwerken Rostock mit 102 000 Kunden blieb die Zahl der abgeklemmten Anschlüsse 2012 auf ähnlich hohem Niveau wie im Jahr zuvor, hieß es aus dem Unternehmen.

Der Strompreis ist in den letzten zwei Jahren im Durchschnitt um 15 Prozent gestiegen. Besonders für Hartz-IV-Empfänger ist der enorme Anstieg ein Problem. Sie erhalten einen Pauschalsatz für Strom, der den steigenden Preisen nicht angeglichen wird. "Hier muss der Gesetzgeber unbedingt handeln", sagte Wemag-Sprecher Jost Broichmann.

Energieschulden sind längst auch in der Schuldnerberatung des Landes ein Hauptthema. "Etwa 45 Prozent der neuen Klienten haben Schulden im Bereich Miete und Energie", erklärte der Chef der Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungsstellen in MV, Siegfried Jürgensen. Häufig würden Familien oder alleinstehende Eltern mit Kindern kommen. In der Regel seien die Energieanbieter bei der Bereinigung der Schulden kooperativ und bereit, beispielsweise Ratenzahlungen zu vereinbaren. Schon bei Schulden von über 100 Euro kann der Strom abgeklemmt werden, wenn der Kunde auf Mahnungen nicht reagiert.

Die Aussichten sind düster: Für Januar und Februar dieses Jahres haben nach Angaben der Internet-Vergleichsportale Verivox und Toptarif insgesamt mehr als 750 Stromversorger in Deutschland Preissteigerungen im Schnitt von etwa 12 Prozent bekanntgegeben.

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