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„Neue Bauernregeln“ staatliches Mobbing? : Steht das Schwein auf einem Bein...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umweltministerium präsentiert „Neue Bauernregeln“. Landwirte kritisieren staatliches Mobbing und Parolen.

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Der Bauernverband MV ist entsetzt über die Kampagne „Neue Bauernregeln“ des Bundesumweltministeriums. Die am Donnerstag   gestartete Aktion würdige die Landwirte herab und stelle sie nur noch als Umweltfrevler und Tierquäler dar, sagte Vizepräsidentin Heike Müller gestern auf Nachfrage der Redaktion. „Das ist nicht kreativ oder witzig. Es ist dreist und polemisch“, erklärt sie und fordert ein Ende der mit Steuergeldern – und somit auch von Landwirten finanzierten– Kampagne. „Damit wird staatliches Mobbing an Landwirten in ganz Deutschland betrieben“, spitzt sie zu.

Zu den Regeln gehören Sprüche wie „Gibt's nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“ oder „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Laut Bundesministerium sollen die Regeln auf Plakaten in mehr als 70 Städten verbreitet werden, außerdem auf Postkarten, über Social Media und eine Kampagnen-Website. Die Regeln sind Teil einer neuen Umweltkampagne, mit der Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung werben will. Hendricks: „Wir wissen, dass die intensive Landwirtschaft die Belastungsgrenzen von Böden und Natur viel zu oft überschreitet. Das wollen die meisten Bürger nicht.“

 

Bauernverbands-Vize Müller wandte sich nun in einem Offenen Brief an Hendricks. Sie wehrte sich dagegen, dass die moderne Landwirtschaft in die Schmuddelecke gestellt werde und ihre Produktionsmethoden in Bausch und Bogen verdammt würden. Außerdem verurteilte sie, dass Bauern nur als Subventionsempfänger dargestellt würden, aber niemals als Steuerzahler, die sie auch seien. „Wir Bauern denken nicht nur von Ernte zu Ernte, sondern wir denken in Generationen“, erklärte Müller. „Was uns jedoch zunehmend zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass in eine Landwirte-Generation mehr als fünf amtierende Politiker passen. Das sind fünf Wahlperioden, in denen Politiker sich immer wieder neu profilieren müssen, neue Regelungen auf den Weg  bringen, die uns keine Atempausen mehr gönnen“, gab sie zu bedenken.

Offener Brief von Bauernverbandsvizepräsidentin Heike Müller an Bundesumweltministerin Hendricks.pdf

Frank Piehl, Vorsitzender des Bauernverbandes Parchim, ist stinksauer: „Es ist traurig, dass man mit so stumpfen Parolen etwas erreichen will und noch trauriger ist es, dass man das auch teilweise erreicht.“ Piehl beklagt mangelndes Fachwissen – und das nicht nur im Bundesumweltministerium. Die Verbraucher sind weit von der Produktion entfernt und werden mit solchen Sprüchen aufgehetzt“, sagt der Alt Schlagsdorfer Landwirt. Er habe es satt, immer als Buhmann dargestellt zu werden. „Wenn alles so falsch ist, was wir tun, sollten wir doch auch mal fragen, wer die Regeln festgelegt hat, nach denen wir handeln müssen. Wer bestimmt, wie viel Platz im Stall ist?“, fragt Piehl und liefert die Antwort gleich hinterher: „Nicht der Landwirt.“ Vielmehr fordert er einen vernünftigen Dialog: „Dazu braucht es aber Argumente und nicht so stupide Reime.“

 

 

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