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Barmer-Chef fordert Strukturveränderungen : Stehen Kliniken in MV vor dem Aus?

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Die Forderung von Barmer-Chef Christoph Straub, die Zahl der Kliniken und Krankenhausbetten in Deutschland zu reduzieren, ist gestern in MV auf eine Welle der Empörung und auf Unverständnis gestoßen.

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erstellt am 02.Jan.2012 | 06:33 Uhr

Berlin/ Schwerin | Die Forderung von Barmer-Chef Christoph Straub, die Zahl der Kliniken und Krankenhausbetten in Deutschland zu reduzieren, ist gestern in Mecklenburg-Vorpommern auf eine Welle der Empörung und auf Unverständnis gestoßen. "Wir brauchen die Krankenhäuser in der Fläche. Ganze Standorte zu schließen, halte ich für unmöglich", reagierte Jan-Peter Schröder, Geschäftsführer des Landkreistages. Man habe in den letzten Jahren die Krankenhauslandschaft bereits stark ausgedünnt. Seit 1991 ist die Zahl der Krankenhausbetten in MV von 16 008 auf 10 300 gesunken. Derzeit gibt es 39 Krankenhäuser im Land.

Auch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Gagzow, zeigte sich verärgert: "Wir brauchen keinen Handlungsdruck, was Häuser und Betten betrifft. Wenn wir Bedarf sehen, dann handeln die Kliniken selbst." Niemand könne es sich leisten unrentable und überproportionierte Strukturen vorzuhalten. Erst jüngst sei in Ribnitz-Damgarten eine Geburtshilfe-Station geschlossen worden, weil es an Patienten mangelte.

Ein Neu- und Umstrukturierung schloss hingegen auch Gagzow nicht aus. "Bei der Vernetzung von stationärer und ambulanter Behandlung werden wir neue Wege gehen", sagte er. Und er fügte hinzu: "Wenn in Krankenhäusern häufiger ambulant operiert werden soll, dann brauchen wir auch die gleichen Voraussetzungen wie die niedergelassenen Ärzte. " Diese bekämen derzeit eine höhere Vergütung für Operationen. Auch Barmer-Sprecher Wolfgang Klink bestätigt, dass eine überproportionierte Krankenhauslandschaft in MV nicht das Problem sei. Er plädierte für eine engere Verzahnung von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten.

Der Chef der Barmer GEK, Christoph Straub, hatte in der Tageszeitung "Die Welt" gesagt: "Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten. Wir leisten uns Strukturen, die größer und teurer sind als in anderen Ländern." Gestern Nachmittag rückte er seine Aussage gerade: "Es geht nicht wie behauptet um eine Schließung von Kliniken, sondern um mehr ambulante Versorgungsangebote an Kliniken." Die Infrastruktur der Krankenhäuser solle mehr ambulant genutzt werden.

Unterstützung erhielt der Barmer-Chef hingegen von der neuen Dreiländer-AOK-Nordost. Deren Sprecherin Gabriele Rähse: "Wir brauchen eine flächendeckende Grundstruktur. Um Strukturanpassungen kommen wir dennoch nicht herum. " Die demografische Entwicklung lasse den Kliniken keinen anderen Weg.

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