Hilfen für DDR-Heimkinder : Statt Fonds Rehabilitation und Opferrente

Der frühere Insasse Ralf Weber in einer Dunkelzelle des Ex-Jugendwerkhofes Torgau. Foto: dpa
Der frühere Insasse Ralf Weber in einer Dunkelzelle des Ex-Jugendwerkhofes Torgau. Foto: dpa

Für traumatisierte DDR-Heimkinder steht ab sofort ein Hilfsfonds zur Verfügung. Am Montag öffnen die Anlauf- und Beratungsstellen. Für ehemalige DDR-Heimkinder aus MV gibt es eine Beratungsstelle in Schwerin.

svz.de von
01. Juli 2012, 05:52 Uhr

Schwerin | Für traumatisierte DDR-Heimkinder steht ab sofort ein 40-Millionen-Hilfsfonds zur Verfügung. Heute öffnen für sie Anlauf- und Beratungsstellen. In MV können sich ehemalige DDR-Heimkinder an eine spezielle Beratungsstelle in Schwerin wenden. Die Einrichtung ist bei der Stasi-Landesbeauftragten Marita Pagels-Heineking angesiedelt.

Doch glücklich sind die Betroffenen damit nicht. "Der Fonds steht bei uns sehr im Zweifel", sagte der aus Potsdam stammende Lutz Adler. Adler ist heute der 1. Vorsitzende des Landesverbandes des DEMO (Die ehemaligen minderjährigen Opfer) Hessen. "Es wissen wieder andere, was für uns Betroffene das Beste ist." Die Betroffenen wollten eine strafrechtliche Rehabilitation und eine Opferrente. Diejenigen, die in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen unter haftähnlichen Bedingungen, Essensentzug und Isolationsarrest gelitten haben, hätten sich mit ihren Vorschlägen zur Änderung des Rehabilitationsgesetzes nicht durchsetzen können.

"Wir wollen, dass mit dem Gesetz anerkannt wird, dass die Einweisung von Kindern in Heime zur Umerziehung zu ,sozialistischen Persönlichkeiten’ politisch motiviert war", erläuterte er. Würden die Heimkinder in dem Gesetz berücksichtigt, hätten sie Zugriff auf die Rente für Opfer der SED-Herrschaft. In DDR-Heimen gehörten laut Experten für viele Kinder und Jugendliche Gewalt und Zwang zum Alltag. Betroffene berichteten von eiskalten Zwangsduschen, Strafhungern, Schlägen und sexuellem Missbrauch. Für die Ex-Heimkinder sei eine wirtschaftliche Entschädigung von monatlich wenigstens 300 Euro das Wichtigste. Der Fonds ermögliche es aber z.B., Wohnungen altersgerecht umzubauen.

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