Landesschatzmeisterin soll für Stasi gearbeitet haben : Stasi-Vorwurf sorgt für Wirbel bei den Linken

Renate Malchow
1 von 4
Renate Malchow

Ein Stasi-Verdacht gegen ein Vorstandsmitglied hat die Spitze der Linkspartei in MV kalt erwischt. Laut einem Bericht der "Bild" war Landesschatzmeisterin Renate Malchow seit 1976 als informelle Mitarbeiterin tätig.

svz.de von
12. November 2010, 11:49 Uhr

Schwerin | Laut einem Bericht der "Bild" war Landesschatzmeisterin Renate Malchow seit 1976 als informelle Mitarbeiterin (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig. "Falls sich der Bericht bestätigt, gibt es innerhalb der Partei erheblichen Redebedarf", sagte der Landesvorsitzende Steffen Bockhahn, "das ist keine Lappalie". Er sei von dem Verdacht überrascht worden, denn wer in der Linkspartei für Vorstandsposten antritt, muss auf einem Parteitag öffentlich mögliche Stasi-Kontakte offenlegen. Bockhahn konnte sich nicht daran erinnern, dass Malchow dies getan habe. Malchow ist derzeit ins Ausland verreist.

Die 58jährige Diplomwirtschaftlerin Malchow arbeitete lange im Kreisvorstand der Linken und sitzt in Neubrandenburg in der Stadtvertretung. Seit 2001 gehört zum Landesvorstand der Partei. Laut "Bild" verpflichtete sie sich 1976 handschriftlich bei der Stasi. Später stellte sie angeblich ihre Wohnung für konspirative Treffen zur Verfügung und erhielt Geschenke und Geld.

Vorstandsmitglied Koplin mahnt Genossen zur Fairness

Die Stasi-Kontakte von weiteren Vorstandsmitgliedern, über die "Bild" berichtete, seien hingegen "seit langem bekannt", so Bockhahn. Karen Stramm habe hauptamtlich an der Grenzkontrollestelle in Zarrentin gearbeitet, die zur Staatssicherheit gehörte. Manfred Millow sei offen mit seiner IM-Tätigkeit umgegangen. Laut "Bild" soll Millow als Lehrer über seine Schüler an die Stasi berichtet haben. Wolfgang Weiß verweist auf beruflich bedingte Stasi-Kontakte während seiner NVA-Zeit auf der Insel Poel. Er habe über Untergebene nur solche Beurteilungen geschrieben, "die den Vorschriften und Anweisungen der NVA entsprachen", sagte Weiss gegenüber dieser Zeitung. Von einer "Berufung" zu darüber hinausgehender Stasi-Zuarbeit will er nichts wissen.

Bockhahn versuchte die Wogen zu glätten. Bis auf Renate Malchow seien alle Vorstandsmitglieder im Wissen um ihre Vergangenheit von der Basis gewählt worden und er messe sich kein Urteil über diese Biographien an, sagte der 31-jährige Landesvorsitzende. Über Stasi-Kontakte weiterer Mitglieder des 17-köpfigen Landesvorstands sei ihm nichts bekannt.

Der Landtagsabgeordnete Torsten Koplin, der ebenfalls dem Landesvorstand angehört, hatte bereits vor Jahren zu seiner IM-Tätigkeit öffentlich Stellung genommen. Koplin sagte gestern, er wünsche sich "aus eigener Erfahrung", dass seine Genossen ihre Stasi-Kontakte offen legen. "Das hat etwas mit Fairness zu tun."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen