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Bundesbeauftragter Jahn bei Ministerpräsident Sellering : Stasi-Akten bleiben in drei Außenstellen

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Jahn, Sellering und die Vergangenheit: Ein gutes halbes Jahr nach ihrem Streit um die Bewertung der DDR-Vergangenheit hat Erwin Sellering den Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde getroffen. Die Querelen wurden ausgeräumt.

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2012 | 09:31 Uhr

Schwerin | Trotz knapper Mittel will der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, die Außenstellen seiner Behörde erhalten und so die regionale Aufarbeitung von DDR-Unrecht sichern. Sein Bestreben sei es, dass auch die drei Standorte in Mecklenburg- Vorpommern - Neubrandenburg, Rostock und Schwerin - fortbestehen. "Ich möchte, dass wir diese Standorte erhalten. Ich möchte, dass wir mit Hilfe der Akten für die Bürger da sind und für die Bildungsarbeit", sagte Jahn gestern nach einem Treffen mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Aufklärung sei unverzichtbar. In der Vergangenheit war über die Schließung unter anderem der Rostocker Außenstelle spekuliert worden. Der Spardruck sei groß, Entscheidungen seien aber noch nicht getroffen, betonte Jahn. Er ließ offen, ob die Akten in den bislang genutzten Gebäuden bleiben. Die Prüfung der Immobilien laufe. Sellering sagte Jahn Hilfe bei der Suche nach möglichen, für Bürger auch gut erreichbare Alternativen zu und verwies auf die absehbare Aufgabenänderung der Behörde: "Die Arbeit wird sich in Zukunft verschieben auf allgemeine Gedächtnisarbeit und auf allgemeine Arbeit für Demokratie." Ausgeräumt sind offenbar die Differenzen um die Bewertung der DDR-Vergangenheit. Jahn hatte dem Regierungschef vorgeworfen, den Ostversteher zu geben und sich so beim Wahlvolk anzubiedern. Er hatte damit auf Sellerings Äußerungen reagiert, dass er die DDR nicht für einen totalen Unrechtsstaat halte und die Lebensleistungen vieler ehemaliger DDR-Bürger Anspruch auf Anerkennung hätten. Beide sprachen sich in Schwerin für eine differenzierte Betrachtung von DDR-Biografien aus.

Doch sehe er es auch als Aufgabe der ostdeutschen Regierungschefs, gegenüber dem Westen deutlich zu machen, "dass die DDR nicht nur aus Stasi bestanden hat und es in der DDR Menschen gab, die weder Opfer noch Täter waren".

In der Bundesbehörde lagern Millionen Akten, Fotos, Tonbänder und Filme des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Die Daten hatte die Stasi menschenrechtswidrig zusammengetragen. Das Stasi-Unterlagen-Gesetz trat am 29. Dezember 1991 in Kraft. Damit sollte den Bürgern die Gelegenheit zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Versöhnung gegeben werden. Im Vorjahr waren laut Bundesbehörde rund 80 000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht eingegangen.

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