Kunst in MV : Starthilfe für junge Künstler

Susanne Gabler aus Wismar und ihre Mentorin Takwe Kaenders (r.)
Susanne Gabler aus Wismar und ihre Mentorin Takwe Kaenders (r.)

Im Projekt „Mentoring Kunst“ helfen erfahrene Kreative Newcomern beim Berufseinstieg.

svz.de von
01. März 2018, 12:00 Uhr

„Ich will professioneller werden“, sagt die Berufseinsteigerin. Susanne Gabler wurde gerade in den Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern e.V. aufgenommen, künstlerisch tätig sei sie aber schon seit etlichen Jahren, sagt sie. Die heute 40-jährige gebürtige Stralsunderin schloss 2005 ein Innenarchitekturstudium in Wismar ab und machte sich in der Hansestadt selbstständig. Sie unterrichtete und leitete Workshops. Ihre Karriere als freie Künstlerin begann vor zwei Jahren, als sie sich an einem Wettbewerb für Kunst am Bau beteiligte und gewann.

„Vogelflug“ heißt Gablers Entwurf für die Gestaltung eines 22 Meter langen Sicherheitszaunes der Polizeiinspektion Wismar. Den Wettstreit hatte der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) ausgelobt. In diesem Jahr nun soll Gablers Zaunidee verwirklicht werden. Das Motiv: Über die Stahlpfosten der Absperrung „fliegen“ Möwenschwärme in den Landesfarben Blau, Rot und Gelb. Erst in der Bewegung des Betrachters, für vorbeigehende Passanten etwa, werde der wellenartige Flug der Vögel sichtbar, beschreibt die Künstlerin.

„Mein Traum ist es, einmal nur von der Kunst leben zu können“, meint Gabler. Tipps dazu holt sie sich nun von ihrer Mentorin, der erfahrenen Metallgestalterin und Kunstschmiedin Takwe Kaenders. Die 54-Jährige hat in Rothen bei Sternberg ihre Werkstatt. Sie arbeitet seit dem Diplomabschluss 2001 freischaffend, wie sie sagt. Ausschließlich von der Kunst könne sie aber auch erst seit drei Jahren existieren – der Weg in die Unabhängigkeit sei für bildende Künstler lang, aber nicht unmöglich, betont Kaenders.

Kreative Starthilfe bekommen Berufseinsteiger seit zwei Jahren in einem Projekt des Frauenbildungsnetzes Mecklenburg-Vorpommern, des Künstlerbundes und Literaturrates. Finanziert wird „Mentoring Kunst“ aus dem Europäischen Sozialfonds. An der ersten Runde über 18 Monate 2016/17 nahmen zwölf Tandemteams teil. Diesmal sind es 14 Paare, die Hälfte davon bildende Künstler, die andere Schriftsteller, unter ihnen ein Mann. Takwe Kaenders ist zum zweiten Mal Mentorin.

„Auch für mich ist die Zusammenarbeit mit Jüngeren eine große Bereicherung“, sagt die Schmiedin in Rothen. Unabhängig vom Material – ob nun Metall, Papier, Stein, Holz oder Textilien – sollten sich Künstler nicht als Konkurrenten sehen, sondern als Kollegen. Ohnehin arbeite jeder anders, entwickle seine eigene Handschrift und Methodik. Doch von Luft und Liebe allein könne niemand leben, auch ein Künstler nicht. Es brauche den Austausch, die gegenseitige Inspiration, weiß Mentee Susanne Gabler.

Die Wismarer Gestalterin hat sich ein besonderes kreatives Feld ausgesucht. Sie fertigt Objekte in Häusern und oft unsanierten Räumen, mit den Installationen versucht sie ihre Gefühle zu Umweltfragen, sozialen und ökonomischen Problemen auszudrücken und den Betrachter zu eigenen Gedankengängen anzuregen, wie sie erklärt. Wichtige Ausstellungen seien für sie die im Kulturhaus Mestlin, etwa 2016 die Schau „Verschwendung“ und im Herbst 2017 „Kunst Heute“. Gabler präsentierte zum einen unter dem Titel „Licht und Schatten“ diverse Leuchtobjekte und Lampen aus PET-Flaschen.

Im vorigen Jahr installierte sie mit der Serie „Perspektivwechsel“ Collagen aus eigenen Fotografien und Baumwollfäden, die frei im Raum hängend ganz verschiedene Sichten ermöglichen. Die Arbeit „Monotypie“ sei ein raumhohes dreidimensionales Gebilde aus Fotos von Wismarer Hausfassaden an Garnfäden. Es werfe Fragen auf, etwa, warum vieles in Städten so gleich aussieht und wo in diesen starren Strukturen Neues, eben Individualität entstehen kann, erklärt Gabler.

„Eine Hürde für mich ist es, beim Beschreiben meiner künstlerischen Konzepte die richtigen Worte zu finden.“ Auch die nötigen Auftritte in den sozialen Netzwerken bereiteten ihr Schwierigkeiten. Letztlich erhoffe sie sich von der Zusammenarbeit mit ihrer Mentorin und den anderen Künstlern Inspiration – sowohl was das kreative Arbeiten direkt betrifft als auch das Planen, Veröffentlichen und Vermarkten ihrer Werke. „Mein Wunsch ist mehr Professionalität.“

Das Projekt „Mentoring Kunst“

Das Projekt „Mentoring Kunst“ erlebt 2018 in MV seinen zweiten Durchgang. Bildenden Künstlern und Schriftstellern, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen, stehen für 18 Monate Mentoren zur Seite. Die Älteren geben Erfahrungen an die Berufseinsteiger weiter, um sie in ihrer künstlerischen Entwicklung zu unterstützen. Geplant sind neben gemeinsamem Arbeiten Seminare und Workshops der Programmbeteiligten zum konzeptionellen Schreiben, werkgerechten oder porträthaften Fotografieren sowie eine Ausstellung.
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