Starker Schneefall: Schulbusse auf Rügen komplett ausgefallen

<strong>Kaum zu erkennen: </strong>Die Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz.
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Kaum zu erkennen: Die Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz.

Der Winter hat den Nordosten weiter in Griff. Zum Frühlingsanfang fielen auf Rügen 35 Zentimeter Neuschnee - zur Freude der Kinder. Alle Schulbusse fielen aus. Alle anderen waren eher genervt.

svz.de von
20. März 2013, 01:57 Uhr

Insel Ruden | Starke Schneefälle und Glatteis haben am kalendarischen Frühlingsanfang in Mecklenburg-Vorpommern zu Unfällen und Verkehrsbehinderungen geführt. Auf der Insel Rügen fuhr am Morgen kein einziger Schulbus, wie ein Sprecher des Rügener Personennahverkehrs am Mittwoch sagte. Für viele Schüler fiel daher der Unterricht aus.

Auf der Ostseeinsel waren nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia in der Nacht rund 35 Zentimeter Schnee runtergekommen.

Fahrzeuge der Straßenmeisterei waren auf Land- und Nebenstraßen damit beschäftigt, die teilweise meterhohen Schneewehen zu beseitigen.

Auch auf den küstennahen Strecken im Landkreis Nordwestmecklenburg konnten die Schulbusse am Mittwochmorgen viele Dörfer links und rechts der Hauptstrecke nicht anfahren. Die Gemeinden schafften es nicht, ihre Straßen freizuräumen. Betriebsleiter Jens Grunenberg geht aber davon aus, dass am Donnerstag alle Ortschaften wieder erreichbar sein werden - „vielleicht nicht immer ganz pünktlich“.

Die Autofahrer haben sich nach Einschätzung der Polizei gut auf die Straßenverhältnisse eingestellt. In Rostock und Umgebung registrierte die Polizei seit dem Morgen sechzehn witterungsbedingte Unfälle, bei denen aber niemand verletzt wurde. „Sehr überschaubar“, sagte eine Sprecherin. Im Ostteil des Landes kam es zu 17 Unfällen - ebenfalls ohne Verletzte. Der größte Sachschaden war mit 42 000 Euro auf der A 20 entstanden. Ein Auto war auf glatter Fahrbahn gegen die Leitplanke geprallt.

Auf Rügen lief der Öffentliche Personennahverkehr am Vormittag langsam wieder an. Abgelegene Dörfer wurden aber den ganzen Tag nicht angefahren, wie Verkehrsleiter Ronald Keil sagte. Der Verkehrsbetrieb auf Rügen ist optimistisch, dass am Donnerstag die Schulbusse wieder verkehren können.

Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia hat sich der Wind im Laufe des Tages auf Stärke drei bis vier abgeschwächt. Für Donnerstag würden in den Küstenbereichen nochmals Niederschläge mit fünf bis zehn Zentimetern Neuschnee erwartet.

„Der Frühling ist in einem seriös überschaubaren Zeitraum nicht in Sicht“, sagte Meteorologe Stefan Kreibohm. Zum Wochenende wird es sogar wieder kälter, mit Nachttemperaturen von bis zu minus zehn Grad.

"Das macht keinen Spaß mehr"

Die Flocken fliegen waagerecht und verwischen die Linie zwischen Land, Wasser und Himmel. Auf der kleinen, zwischen Rügen und Usedom gelegenen Ostseeinsel Ruden sehnen die beiden einzigen Bewohner den Frühling herbei. "Wir haben den Winter so satt", sagt der 62-jährige Conrad Marlow am Telefon. "Das macht keinen Spaß mehr." Sturmböen der Stärke acht bis zehn zogen in der Nacht und am Dienstagmorgen über die Insel hinweg. Dazu kam der Schneefall. Dort, wo sich Widerstand bot, türmen sich Schneewehen. Anfang März schien der Frühling Anlauf zu nehmen. "Wir hatten schon richtig Lust, im Garten mit der Aussaat zu beginnen", berichtet Marlow. Doch dann haben Frost und Schnee die beiden Naturschutzwarte in den Winter zurückkatapultiert. Eis zog sich erneut um die Insel. Arzttermine, die die beiden Insulaner bereits auf dem Festland ausgemacht hatten, mussten abgesagt werden. Das Boot von Conrad Marlow liegt seit Tagen wie einzementiert im Hafen. Den letzten Landgang auf dem Festland haben die beiden Ende Januar unternommen.

Am Montag steuerte nun der Eisbrecher "Görmitz" die Insel an, um die Eisdecke im Hafen zu brechen. Am Dienstag sollte ein Seenotkreuzer Post auf den Ruden bringen. Marlow und seine 64 Jahre alte Lebensgefährtin, die den vierten Frostwinter in Folge erleben, haben Routine im Umgang mit widrigen Witterungsverhältnissen: Der Strom wird über einen Dieselgenerator erzeugt und sorgt für wohlige 22 Grad im Haus. Das Trinkwasser bunkert das Paar in Tanks und die Nahrungsmittel werden bereits im Herbst im Keller deponiert. Seit 2004 leben Marlow und Toth in der selbstgewählten Einsamkeit. "Am stärksten vermissen wir im Winter Frischobst - Orangen oder auch mal Bananen", sagt Marlow. Die Besatzungen des Seenotkreuzers oder des Eisbrechers sorgen gelegentlich für Nachschub. In den vergangenen Jahren steuerten die ersten Reedereien zu Ostern die Insel an. Toth und Marlow versteckten Ostereier für die ersten Urlauberkinder, die mit ihren Eltern zu einem Tagesausflug auf die Insel kamen. Ob die Tradition in diesem Jahr fortgesetzt werden kann? "Ich bin mir nicht sicher", sagt Marlow. "Eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht."

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