zur Navigation springen

Dance-Festival "Airbeat One" : Star-DJs im Anflug auf Neustadt-Glewe

vom

Für Marco Nickel ist das "Airbeat One"-Festival ein Heimspiel. Wenn die anderen Techniker und Helfer am Abend in ihre Zelte kriechen, zum Wohnwagen oder Hotel gehen, kann er nach Hause fahren.

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 08:19 Uhr

Neustadt-Glewe | Für Marco Nickel ist das "Airbeat One"-Festival ein Heimspiel. Wenn die anderen Techniker und Helfer am Abend in ihre Zelte kriechen, zum Wohnwagen oder Hotel gehen, kann er nach Hause fahren und sich in seinem eigenen Bett ausstrecken. Der 34-Jährige wohnt in Neustadt-Glewe. Viel Zeit zum Ausruhen hat er in diesen Tagen allerdings nicht. Seit anderthalb Wochen ist er jeden Tag zehn, zwölf und mehr Stunden auf dem Flugplatzgelände am Rande seiner Stadt. Marco ist Veranstaltungs- und Tontechniker bei der Firma Music Eggert aus Lübtheen, die zum zwölften Mal zum Airbeat One Festival ruft. Mehr als 15 000 Besucher werden auf dem Areal am Waldrand erwartet.

Nickel steht mit Sebastian Eggert, Eventmanager und geistiger Vater von "Airbeat One", vor dessen mobilem Büro am Rande des Festivalgeländes. Keine 30 Meter entfernt ragt ein helles, viermastiges Palastzelt in den Himmel. "Die Masten sind 27 Meter hoch", sagt Marco Nickel nicht ohne Stolz. "Das größte Palastzelt Europas und das erste Mal hier."

Ein junger Mann mit einem Kanister in der Hand schlendert heran: "Habt ihr irgendwo Trinkwasser?" Marco greift zum Funkgerät. "Fahr mal in den Wald und drehe den Hydranten auf", bittet er einen Kollegen. Eigentlich ist der Veranstaltungstechniker gemeinsam mit Alexander Eggert als Manager für den Techno-Floor und den Goa-Floor eingeteilt. Auf dem Goa-Floor muss Marco Nickel die Lichttechnik installieren, programmieren und später auch steuern. "Aber solange ich noch nicht richtig loslegen kann, unterstütze ich Sebastian bei anderen Dingen."

Auf fünf Floors können die Besucher am Wochenende tanzen und feiern. Weniger als im Vorjahr. "Wir haben die Zahl verringert, um mehr in die Qualität investieren zu können", sagt Sebastian Eggert. Aufwendige Bühnenbilder, Nebelmaschinen, Tausende Scheinwerfer, LED und Speziallampen, von denen manche an die 10 000 Euro kostet - die Ausstattung ist erstklassig. Das gilt auch für die DJs, die aus der ganzen Welt anreisen. Größen der Szene: Steve Aoki, Dimitri Vegas & like Mike, Pan-Pot, Klangkarussell, Noisecontrollers… Alesso legt am Sonnabend in Neustadt-Glewe auf, um dann weiter nach Ibiza und Barcelona zu reisen. Die Kosten für die DJs machen nach Aussage Sebastian Eggerts die Hälfte des Festival-Etats aus. "Das Line-up kommt gut an, der Vorverkauf läuft besser als im vergangenen Jahr."

Marco ist inzwischen in das riesige Palastzelt gegangen, in dem der Hardstyle-Floor entsteht. Im Halbdunkel sind Männer mit Kletterausrüstung zu sehen. Aus gutem Grund: Sie sind dabei, die Lichttechnik an einem überdimensionalen Schachbrett zu verkabeln, das rund 15 Meter hoch ist. "Ab zwei Metern Höhe muss man sich sichern", sagt Johannes Schmieding. Der Hamburger hat das Lichtdesign entworfen und programmiert und installiert jetzt mit seinen Leuten die Technik.

Draußen nimmt gerade die Kulisse für den Mainstage Gestalt an. Eine Burg in Gelb, Pink und Lindgrün. "Der Aufbau dauert fünf Tage", sagt Event-Designer Dan Skanska. "Aber nur, weil alles, was möglich war, schon vorproduziert worden ist." Vorbei am Terminal-Floor in einem weiteren Palastzelt geht Marco Nickel zum Goa-Floor. Helfer sind gerade dabei, Traversen an Zugseilen zu befestigen. Mit Lampen bestückt sollen sie später nach oben gezogen werden. Doch das ist gerade das Problem. Die Lichttechnik fehlt noch. Der Lkw ist liegen geblieben. "Marco, ist das so richtig mit den Steelflex", fragt ein Helfer. Der Veranstaltungstechniker schaut nach und fasst selbst zu. "Die müssen richtig fest sein, damit sich die Traverse nicht verdrehen kann", erklärt er.

Der verspätete Lkw bringt den Zeitplan etwas in Verzug, zumal auch ein Magic Sky, ein überdimensionaler Schirm, noch fehlt. Aber Marco bleibt entspannt. "Dann arbeiten wir eben morgen mit einem Team am Schirm und mit einem Team an der Bühnentechnik, bis alles fertig ist", sagt er. "Sich unter Druck zu setzen, bringt nichts. Dann macht man Fehler." Bisher habe es ja immer funktioniert, gibt er sich zuversichtlich. Programmieren könne er die Lichtanlage ohnehin erst in der Dunkelheit. Nach der Tag- wird also eine Nachtschicht folgen. Schon am Donnerstagabend soll es auf dem Goa-Floor losgehen.

Auch abseits von Musik und Lichteffekte kommt es auf Details, auf Kleinigkeiten an. Sie müssen funktionieren, damit die Besucher wiederkommen. Nichts wäre schlimmer, als wenn die Leute kein Wasser hätten, nicht vernünftig auf die Toilette gehen können oder ewig auf Getränke warten müssten. Sogar die Wege sollen gewässert werden, damit die Partygemeinde nicht in einer Staubwolke versinkt. Hilfe soll von einem ortsansässigen Landwirtschaftsunternehmen kommen. "Bei so einem Festival ist nicht ein Einzelner entscheidend, sondern das ganze Team, das zum Teil schon seit Jahren zusammenarbeitet", betont Marco nicht zum ersten Mal an diesem Tag. Bisher muss das gut funktioniert haben. Das Festival ist in Schritten gewachsen - von 2000 Besuchern bei der Premiere bis auf fast 16 000 im vergangenen Jahr. Und ginge es nach Sebastian Eggert, könnten es ruhig 20 000 werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen