Städtischer Protest gegen Atommüll

Voraussichtlich am kommenden Donnerstag soll ein Castor-Transport auch durch Schwerin fahren. dpa
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Voraussichtlich am kommenden Donnerstag soll ein Castor-Transport auch durch Schwerin fahren. dpa

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10. Dezember 2010, 06:53 Uhr

Schwerin | Vor einer geplanten Großdemonstration heute gegen den Atommüll-Transport ins Zwischenlager Nord bei Lubmin hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zu Sachlichkeit aufgerufen. Zugleich wies er Befürchtungen zurück, das Zwischenlager könne zu einem Endlager ausgebaut werden. Der Standort erfülle die Voraussetzungen für ein Endlager nicht, sagte Caffier gestern. Die Anforderungen an ein Endlager ließen sich nur in tiefen geologischen Formationen, wie Salz, Tongestein oder Granit erfüllen.

Heute wollen in Greifswald rund 4000 Atomkraftgegner gegen den geplanten Castor-Transport aus dem französischen Cadarache demonstrieren. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Nieszery, wollen sich dem vom Anti-Atom-Bündnis Nordost organisierten Protest anschließen. Von der Linkspartei wollen der Fraktionsvize im Bundestag, Dietmar Bartsch, sowie die Schweriner Partei- und Fraktionsspitze gegen den in wenigen Tagen beginnenden Transport mit demonstrieren. Die Grünen sind mit dem Landesvorstand vor Ort. Mehrere hundert Polizisten von Landes- und Bundespolizei sollen die Demonstration in der Hansestadt Greifswald absichern.

Nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen soll es in diesem Jahr noch zwei Transporte nach Lubmin geben. Vier Castoren mit Abfällen aus dem Schnellen Brüter Kalkar und aus dem atombetriebenen Schiff "Otto Hahn" werden voraussichtlich über die Ostvariante der Bahnstrecke nach Lubmin gelangen. Die fünf Castoren mit bis zu 140 Glaskolben aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, in denen 60 000 Liter flüssige Plutonium-Uran-Abfälle verglast sind, werden dagegen voraussichtlich über die West-Variante transportiert - also über Ludwigslust, Schwerin, Rostock und Stralsund. Eine dritte Variante über Oranienburg gilt wegen der zahlreichen Bombenfunde in der Region als unwahrscheinlich.

In Schwerin werden die Stadtvertreter am Montag einen gemeinsamen Antrag von den Fraktionen SPD/Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zum Transport von Castoren durch die Landeshauptstadt behandeln. "Wie viele Schweriner haben wir Probleme mit diesem Transport, denn er stellt alle Zusagen der Bundesregierung die zur Errichtung des Zwischenlagers Nord (ZLN) in Lubmin 1991 gegeben wurden in Frage", sagt Stadtvertreter Michael Strähnz (Linke). "Damals hieß es, das ZLN in Lubmin wird nur für die Zwischenlagerung des Atommülls der DDR-Atomkraftwerke in Rheinsberg und Lubmin errichtet. Ein Transport von Atommüll aus der alten BRD ist nicht vorgesehen", so Strähnz.

Beschlossen worden sei dieses am 17. Oktober 1991 im Landtag MV mit nur einer Gegenstimme. Die damalige CDU/FDP-Koalition hat das durch das Regionalraumordnungsprogramm der SPD/PDS-Koalition von 1998 bestätigt. Doch nun soll erstmals Atommüll aus westdeutschen Reaktoren in MV zwischengelagert werden.

Die Fraktion von SPD/Bündnis 90/Die Grünen beschloss einstimmig, einen Antrag in die Stadtvertretung am Montag einzubringen, mit dem sich das Stadtparlament gegen die Einlagerung von Atommüll im Zwischenlager Nord in Lubmin aus anderen Ländern und den Transport von Castor-Behältern durch Schwerin ausspricht. Die Initiative greift entsprechende Beschlüsse der Bürgerschaften in Greifswald und Stralsund sowie des Kreistages von Rügen auf.

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