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Treffen in Rostock : Städtepartnerschaften öffnen Blick in die Welt

vom
Aus der Onlineredaktion

Über alle politischen Umwälzungen hinweg oft ein festes Band der Verbindungen

Rostock kann sich rühmen, als erste deutsche Stadt das Streben nach gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu Polen mit einer Städtepartnerschaft besiegelt zu haben. Im Jahr 1957, die Wunden des Zweiten Weltkriegs waren noch längst nicht verheilt, schloss die Stadt an der Warnow einen Partnerschaftsvertrag mit Szczecin an der Odermündung. 60 Jahre nach der Vertragsunterzeichnung erinnert Rostock nun von heute an mit einer dreitägigen Konferenz an das historische Ereignis. Vertreter aus 40 Städten werden zu dem Treffen erwartet. Und schon der Name „Europäische Städtepartnerschaftskonferenz“ macht deutlich, dass es nicht nur um bilaterale Beziehungen geht, sondern um die Zukunft eines Kontinents, auf dem nationales Denken wieder erstarkt. Die Konferenz will das deutsch-polnische Verhältnis besonders in den Blick nehmen.

Dass polnische Kommunalpolitiker den europakritischen Kurs der Zentralregierung in Warschau durchaus mit Skepsis sehen, hat auch Warens Bürgermeister Norbert Möller erfahren. Seit vielen Jahren unterhält die Stadt an der Müritz enge Beziehungen zu Suwalki in den Masuren. „Auch wenn 1000 Kilometer zwischen uns liegen, so kann uns das nicht an unseren regelmäßigen Treffen hindern“, sagt Möller. Erst im Juni sei eine Delegation aus Waren zu Gast in der Stadt kurz vor der litauischen Grenze gewesen und mit großer Gastfreundschaft empfangen worden. Der Schüleraustausch laufe gut und auch Sport- und Kulturgruppen würden sich gegenseitig besuchen. Die sechs Städtepartnerschaften, die Waren derzeit unterhält, seien eine große Bereicherung. „Doch man muss sie beständig pflegen“, betont Möller.

In Wismar deuten schon die historischen Schwedenköpfe darauf hin, zu wem die einstige Enklave die innigsten Beziehungen pflegt. „Zu unserem historischen Schwedenfest Mitte August erwarten wir wieder eine Abordnung aus Kalmar, die auch beim Empfang im Rathaus dabei ist“, sagt Stadtsprecher Marco Trunk. Überhaupt fühle sich die Hansestadt mit ihren Partnern im Ostseeraum besonders verbunden. Mit Kemi in Finnland, Aalborg in Dänemark oder auch mit dem fast benachbarten Lübeck, zu dem seit 1987 eine Städtepartnerschaft besteht, die Wismar nach der Wende Hilfe beim Aufbau der neuen Verwaltung brachte und zu der es auch viele Parallelen beim Erhalt des hansischen Erbes und der nordischen Backsteingotik gibt.

Nachwendeerfahrungen mit dem Verwaltungsaufbau sind auch in Schwerin noch wach, das Hilfe aus Wuppertal erhielt. „Heute findet der Austausch auf Verwaltungsebene vor allem zwischen den Azubis beider Städte statt, die sich regelmäßig zu Workshops treffen“, sagt Christin Wulff von der Stadtverwaltung. Davon bekämen die Bürger wenig mit, mehr schon von den Besuchen des Zoovereins oder von Chören und Kulturgruppen aus Wuppertal. Sieben Partnerstädte zählt Schwerin, vier davon im Ostseeraum .

Auch die Hansestadt Greifswald hat nach Angaben von Vize-Stadtsprecherin Bärbel Lenuck eine gute Partnerstadt mit dem polnischen Szczecin und hält unter anderem mit Polnisch-Unterricht an einigen Schulen den Kontakt zwischen den Jugendlichen. Doch unterhält die Universitätsstadt auch Partnerschaften zu weit entfernten Städten in China und Brasilien. So habe sich Pomerode, eine einst von norddeutschen Auswanderern in Südamerika gegründete Stadt, vor kurzem als einzige nichteuropäische Stadt an der Radfahr-Aktion zur CO2-Einsparung beteiligt.

Solch transkontinentale Partnerschaften sind nach Einschätzung von Arpp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag aber eher die Ausnahme. Beziehungen zu Städten der Ostseeanrainer, in Frankreich oder Italien die Regel. „Die EU unterstützt gemeinsame Projekte in solchen Städtepartnerschaften auch finanziell“, sagt Fittschen. „Doch alles Geld hilft nicht, wenn eine Städtepartnerschaft nicht von Menschen getragen und gelebt wird“, betont der Verbandsmitarbeiter.

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