Kassenärztliche Vereinigung schlägt Alarm : Städte leiden unter Ärztemangel

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Es fällt der Kassenärztliche Vereinigung immer schwieriger, Hausärzte, die in den Ruhestand gehen, zu ersetzen. Durchschnittlich schließen in MV 16 Hausarztpraxen jedes Jahr, ohne dass ein Nachfolger gefunden wurde.

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26. Juni 2012, 11:09 Uhr

Neubrandenburg | In Schwarz bei Mirow (Mecklenburgische Seenplatte) ist die Situation derzeit besonders dramatisch. Der Hausarzt ist selbst erkrankt, die Kollegen im Umkreis haben übervolle Praxen, können schwer aushelfen. Deshalb versucht die Kassenärztliche Vereinigung von MV (KVMV), einen Arzt zu finden, der zumindest zeitweise die Sprechstunde aufrechterhalten kann, sagt Oliver Kahl, KV-Hauptabteilungsleiter für die Kassenärztliche Versorgung.

Immer wieder muss er Feuerwehrmann spielen, um Löcher in der medizinischen Versorgung zu schließen. "Die Decke ist ganz einfach so dünn, dass Ausfälle oder Praxisschließungen ohne Nachfolger nicht ohne weiteres kompensiert werden können", sagt Kahl.

Es fällt der KV immer schwieriger, Hausärzte, die in den Ruhestand gehen, zu ersetzen. Durchschnittlich schließen in MV 16 Hausarztpraxen jedes Jahr, ohne dass ein Nachfolger gefunden wurde, wie die KV in einem aktuellen Infopapier zur ambulanten ärztlichen Versorgung in MV zusammenfasst. Seit 2001 trifft das auf insgesamt 144 Praxen zu. Derzeit gibt es 175 offene Hausarztstellen. Ein Problem, das sich angesichts der Überalterung der Ärzteschaft im Nordosten in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte.

22 Prozent der Hausärzte sind älter als 60 Jahre, in einigen Kreisen sind es sogar ein Drittel der Hausärzte, die kurz vor der Rente stehen. "Sie werden in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis schließen - Nachfolge offen", sagt Kahl.

Hat die KVMV mit der Nachbesetzung der Praxen auf dem flachen Lande schon seit Jahren zu kämpfen, gibt es mittlerweile auch in den größeren Städten Probleme. Selbst in Schwerin und Rostock suchen Hausärzte händeringend nach potentiellen Nachfolgern.

In 9 von 16 Planungsbereichen der hausärztlichen Versorgung bestehe in absehbarer Zeit eine "drohende Unterversorgung", unter anderem im ehemaligen Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Eher düster sah es bis vor kurzem beispielsweise auch in Burg Stargard aus, was die künftige medizinische Versorgung betrifft. Die zwei noch praktizierenden Ärzte haben bereits das Rentenalter erreicht. Jetzt hat sich aber eine neue Gemeinschaftspraxis mit zwei Allgemeinmedizinerinnen angesiedelt, die aus Neubrandenburg kommen. Damit wurde allerdings wieder eine neue Lücke in der Viertorestadt gerissen, wo mittlerweile sieben Hausarztstellen unbesetzt seien, sagt Kahl.

Die Ursachen für die Misere sind vielfältig: Mehr als 20 Prozent der Medizinstudenten brechen ihre Studium ab oder setzen ihre Ausbildung nach dem Studium nicht fort. Zwischen 2001 und 2008 sind 3000 Ärzte ins Ausland abgewandert. Auch wenn sich die Honorarsituation speziell für die Hausärzte mittlerweile verbessert hat, bezeichnet Kahl die Rahmenbedingungen für die ambulante ärztliche Tätigkeit als "unattraktiv und abschreckend für den Nachwuchs".

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