Planungsstau in MV : Städte halten Bauaufträge zurück

Vielerorts im Land könnte gebaut werden. Stockende Haushaltsplanungen verhindern dies.

Vielerorts im Land könnte gebaut werden. Stockende Haushaltsplanungen verhindern dies.

Wegen stockender Haushaltsplanungen in Kommunen müssen Baufirmen Arbeiter in Kurzarbeit schicken

svz.de von
06. April 2017, 05:00 Uhr

Finanz- und Planungsstau in den Amtsstuben: Die stockenden Haushaltsplanungen der Kommunen bescheren tausenden Bauarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern trotz besten Bauwetters noch Kurzarbeit. Bis März fehlte für etwa jeden zehnten der derzeit etwa 15 300 Beschäftigten der Branche Arbeit, weil die öffentliche Hand die Aufträge erst verspätet auf den Markt geben würden, kritisierte der neu gewählte Präsident des Bauverbandes MV, Rainer Bauer, gestern in Schwerin: „Geld für Aufträge ist da, sie müssen nur gleichmäßiger verteilt werden.“ Das werde seit Jahren kritisiert, ändere sich aber nicht. Vielmehr würden oft erst im zweiten Halbjahr öffentliche Bauaufträge ausgereicht. Bauer: Nach der Kurzarbeit im Frühjahr müssten die Bauleute im Herbst Überstunden schieben, um Aufträge erfüllen zu können. Im Straßen- und Tiefbau, im Hochbau: Für größere Baukolonnen im Land gebe es bei öffentlichen Aufträgen keine Arbeit, da die Haushaltsplanungen sich stets verzögerten. Im vergangenen Jahr sei es sogar bis zum Frühsommer schwer gewesen, Arbeit zu finden. In einigen Firmen sei davon jeder dritte Beschäftigte betroffen gewesen, kritisierte der neue Verbandsvize Thomas Maync: „Wir brauchen eine bessere Verteilung der Aufträge über das gesamte Jahr.“

Mit einem schnellen Abbau der Behörden-Defizite rechnet die Baubranche nicht, im Gegenteil: Auch in der öffentlichen Verwaltung fehlten immer mehr Fachkräfte in den Bauabteilungen, beobachtete Maync. Planungen seien oft „mit der heißen Nadel“ genäht, Planungen stockten oder Baugenehmigungen dauerten immer länger, weil die Ämter mit der Bearbeitung nicht hinterher kämen und immer mehr Vorgaben zu beachten seien.

Für dieses Jahr rechnet die Branche dennoch mit zunehmende Geschäften: „Wir gehen von einem Umsatzplus aus, bei steigenden Preisen“, sagte Maync. Die Betriebe hätten derzeit einen Auftragsvorlauf von bis zu vier Monaten, erklärte Bauer. Schon 2016 habe die Branche weiter zulegen können – sechs Prozent mehr Umsatz. Träger waren vor allem der Wirtschafts- und Gewerbebau, die knapp 19 bzw, 1,2 Prozent mehr erwirtschaftet hatten. Die öffentliche Hand verringert hingegen ihre Aufträge, der Branche zufolge um mehr als sechs Prozent, erklärte Jörg Schnell, Geschäftsführer des Bauverbandes. Darum gebe es inzwischen längst einen Investitionsstau in den Kommunen: Das, was vor 25 Jahren gebaut worden ist, müsse jetzt instandgesetzt werden, sagte Bauer: Nur müssten die Kommunen dafür jetzt das Geld bereitsstellen. „Der Bedarf ist da.“  

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