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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 03:12 Uhr

Hochschulen in MV : Städte auf Studentenjagd

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hochschulen in MV locken ihre Studenten mit saftigen Begrüßungsgeldern / Studentenermäßigungen sind teilweise noch ausbaufähig

von
erstellt am 19.Dez.2014 | 13:00 Uhr

Es klingt ein bisschen wie im Schlaraffenland: Studenten, die ihren Hauptwohnsitz zum Zwecke ihrer Hochschulausbildung nach Rostock verlegen, bekommen einen Willkommensgruß von der Stadt. Begrüßungsgeld nennt man das. 100 Euro sind es – eigentlich. Doch bis zum Jahresende bekommen die Neuanmelder noch einmal 50 Euro oben drauf und außerdem die Chance auf ein neues, hochwertiges Fahrrad. „Wenn sich bis zum Jahresende 2000 Studenten umgemeldet haben, erhalten auch die, die in diesem Jahr vor der Aktion ihren Hauptwohnsitz nach Rostock verlegt haben, rückwirkend 50 Euro extra. Das ist eine einmalige Situation“, ergänzt der Sprecher der Stadt Ulrich Kunze. „Melden macht Mäuse“ heißt die Aktion der Hansestadt, die seit September läuft.

Mit Aufmerksamkeiten wie diesen versuchen Hochschulstandorte, mehr Studenten zum Ummelden zu bewegen. Denn diese lassen ihren Hauptwohnsitz oftmals bei ihren Eltern gemeldet. Organisatorisch ist das meist einfacher und es gibt gewisse Vorteile bei der Haftpflicht- oder Krankenversicherung.

Für die Städte ist das ein Problem, denn ihnen entgeht dadurch eine Menge Geld: „Jede und jeder Studierende, die oder der sich entscheidet, Rostocker oder Rostockerin zu werden, trägt dadurch auch zur Finanzierung unser kommunalen Ausgaben bei“, erklärte Rostocks Senator Chris Müller vor kurzem das Konzept hinter der „Melden-macht-Mäuse“-Aktion. „Dadurch erhöht sich auch die Summe der Zuweisungen, die wir vom Land zur Erledigung unserer Aufgaben erhalten. Allein in diesem Jahr sind das 610,66 Euro pro Einwohnerin und Einwohner“, so Müller.


Städte locken mit verschiedenen Mitteln

Ticketzuschuss für den Nahverkehr, Bonushefte oder Geld für den Fahrradneukauf – Rostock hat schon einiges versucht, um die Ummeldebegeisterung bei Studenten zu erhöhen. Und auch andere Hochschulstandorte im Land experimentieren beim Kampf um Einwohnerzahlen. Greifswald beispielsweise hatte 2012 nach der Kreisgebietsreform das Begrüßungsgeld von 150 Euro, dort Umzugsbeihilfe genannt, zunächst ausgesetzt. Seit letztem Jahr gibt es immerhin wieder 100 Euro für neue Studenten und dazu ein Bonusheft mit Vergünstigungen im Wert von 300 Euro. Greifswald kann sich laut einer Erhebung des Statistischen Amtes über eine Zuweisung von 507 Euro pro Einwohner im Jahr aus dem kommunalen Finanzausgleich freuen.

In Stralsund gibt es für zugezogene Studenten den Zuschuss von 150 Euro nur, wenn sie sich bereit erklären, den Hauptwohnsitz mindestens bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres aufrecht zu erhalten. Studenten, die nach Wismar ziehen, bekommen das Begrüßungsgeld gleich in drei Jahresraten von 70, 50 und 30 Euro. Wer bleibt, kann sich also über ein stattliches Sümmchen von 150 Euro freuen. Viel Geld für Studenten.

So spendabel wie Mecklenburg-Vorpommern sind im Ländervergleich nur noch Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wenn es darum geht, Studenten zum Ummelden zu bewegen. Spitzenreiter im Verschenken von Begrüßungsgeld in MV ist Neubrandenburg. Die Stadt lockt Neustudenten mit satten 200 Euro. Das aber wohl auch, weil die Stadt, abgesehen vom Studium, den Studenten sonst nicht allzu viel zu bieten hat.


Mehr Geld, aber weniger Studentenleben


„Wir sind eine Pendlerhochschule. Viele fahren über das Wochenende nach Hause. Dadurch ist die Stadt nach Freitag so gut wie studierendenfrei“, meint Michael Schulze, Präsident der Studentenschaft.

63  437 Einwohner zählt Neubrandenburg. Da fallen die 2100 Studenten kaum ins Gewicht. Verkehrsvergünstigungen wie in Rostock oder Greifswald gibt es für die Hochschulgänger nicht. Doch das soll sich laut Schulze ändern: „Wir haben gerade erst angefangen, Studentenrabatte auf den Weg zu bringen. Unser Ziel ist es, ein studentisches Kulturleben zu etablieren.“ Teilweise hat das Konzept schon gefruchtet. Im Theater müssen Studenten für einen Großteil der Vorstellungen nur den halben Preis bezahlen.

Hier sind die Universitäts-Städte in MV schon weiter. In Rostock und Greifswald gibt es neben kulturellen Einrichtungen oft auch Studenten-Ermäßigungen bei Bäckern, Kleidungsläden oder sogar beim Friseur. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren. Das Heulermagazin (www.heulermagazin.de) hat daher im Internet eine Stadtkarte eingerichtet, auf der alle Einrichtungen mit Ermäßigungen für Studenten eingetragen sind. Diese können durch die Nutzer beliebig ergänzt werden.


Kein Begrüßungsgeld in Güstrow


Die wenigsten Vergünstigungen in MV bekommen übrigens die Studenten in Güstrow. Auch beim Nahverkehr müssen sie den vollen Preis zahlen. „Ein Begrüßungsgeld gibt es hier auch nicht“, erklärte eine Sprecherin der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege. „Das ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Die Studenten unserer FH haben, so lange sie bei uns sind, einen Beamten-Status und somit ein Einkommen. Außerdem entfällt der Semesterbeitrag“, heißt es von der Hochschule.

Welcher Hochschulstandort in MV summa summarum am günstigsten ist, lässt sich schwer sagen. Die meisten Rabatte gibt es in Rostock und Greifswald. Dafür ist der Wohnraum und der Semesterbeitrag vergleichsweise hochpreisig. In Stralsund, Wismar und Neubrandenburg gibt es ein saftiges Begrüßungsgeld, dafür jedoch weniger Studentenleben als in den Uni-Städten. Fakt ist: gut leben lässt es sich in MV als Student überall. Letztendlich kommt es auf den Studienwunsch an.

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