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Strompreiserhöhung : Stadtwerke Schwerin lassen Kunden auflaufen

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Zweifelhafter Kundenfang bei den Stadtwerken Schwerin: Das Unternehmen beschneidet zehntausende Kunden in ihren Verbraucherrechten. Der Stromversorger verwehrt Kunden ein Sonderkündigungsrecht für Stromverträge.

svz.de von
erstellt am 05.Dez.2012 | 07:22 Uhr

Schwerin | Zweifelhafter Kundenfang bei den Stadtwerken Schwerin: Das kommunale Unternehmen beschneidet offenbar bundesweit zehntausende Stromkunden in ihrer Verbraucherrechten. Nach der jüngsten Preiserhöhung verwehrt der städtische Stromversorger Kunden ein gesetzlich vorgeschriebenes Sonderkündigungsrecht für Stromverträge. Die Stadtwerke Schwerin hatten - wie andere Versorger auch - zum 1. Januar 2013 für 47 000 meckpomm-Stromkunden eine kräftige Preiserhöhung angekündigt - um voraussichtlich 2,6 Cent je Kilowattstunde. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 3000 Kilowattstunde kämen auf die Kunden Mehrkosten von rund 80 Euro im Jahr zu, teilte das Unternehmen mit.

Für viele Kunden zuviel, so dass etlich den Stromversorger wechseln wollten. Es gebe vermehrt Anfragen, gestand Stadtwerke-Sprecherin Ute Becker gestern ein. Weniger als ein Prozent der Kunden hätten sich informiert. Nur: Die Stadtwerke lasse die Kunden nicht aus den Verträgen und lehne eine Sonderkündigungen aufgrund der Preiserhöhung ab, kritisierte ein Leser unserer Zeitung per Email. Klarer Regelverstoß, kritisiert die Verbarucherzentrale MV das Vorgehen.

Die Stadtwerke wiegeln ab: Bei den Preiserhöhungen handele es sich um eine Erhöhung von staatlichen Umlage. Dafür bestehe kein Sonderkündigungsrecht, meinte Firmensprecherin Becker.

"Eine unwirksame Klausel", mahnte Horst Frank, Energieexperte der Verbraucherzentrale MV. Ändere ein Lieferant die Vertragsbedingungen einseitig könnten Verbraucher ohne Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen, werde in einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes klar geregelt. Eine Preisveränderung sei eine vertragsveränderung. Danach sei die Regel der Stadtwerke Schwerin unzulässig, meinte Frank.

Kein Einzelfall: Bundesweit würden Stromversorger immer wieder versuchen, Kunden ein Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen abzusprechen, teilte der Bund der Energieverbraucher mit. "Das ist eine Masche der Unternehmen, Kunden zu halten", sagte Verbandschef Aribert Peters gestern. Die Mehrheit der Versorger akzeptierten aber das Sonderkündigungsrecht.

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