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Konzept für Güstrow : Stadt nimmt Umgehung in die Hand

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Ernst nimmt die Barlachstadt ihr zugebilligtes Recht, auf eine angedachte Ortsumgehung stärker als bisher Einfluss nehmen zu dürfen. Unterstützung erhält Bürgermeister Schuldt von den drei großen Fraktionen.

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erstellt am 01.Feb.2012 | 11:14 Uhr

güstrow | Ernst nimmt die Barlachstadt jetzt ihr per Koalitionsvertrag in MV zugebilligtes Recht, auf eine angedachte Ortsumgehung stärker als bisher Einfluss nehmen zu dürfen. Die Chefs der drei großen Fraktionen, CDU, Linke, SPD, sagten Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) schon mal pauschal ihre Unterstützung für die Vorgehensweise zu. Schuldt ließ bereits dem Hauptausschuss sein Konzept "Ortsumgehung B104 Güstrow oder/und Ausbau des innerörtlichen Erschließungsstraßennetzes?" präsentieren.

Verkehrsplaner Gunter Brüß machte zwei Ausgangspunkte für das Herangehen der Stadt deutlich. Zum einen ist der Bundesverkehrswegeplan für den Zeitraum 2001-2015 bekannt. Nach wie vor kursieren hier seit den 1990er-Jahren mehrere Varianten von kompletter bis weitgehend vollständiger Umgehung der Kreisstadt. Davon dürfte allerdings die südliche herausfallen; sie ist die konfliktträchtigste (Inselsee-Umfahrung) und verspreche für die Ablenkung der Verkehrsströme den geringsten Effekt, so Brüß. Bliebe eine nördlich um Güstrow herum laufende Ost-West-Spange mit unterschiedlich ausgestalteter Annäherung an die Stadt. Die auf knapp 12 Kilometer projektierte Trasse würde nach einer Prognose 36 Millionen Euro kosten - "gigantisch und kaum realistisch", meint Brüß. Weder sei das bisher in einem Finanzierungsplan dargestellt, noch habe das Straßenbauamt ein Raumordnungsverfahren - das der nächste Schritt wäre - eingeleitet. Eine Realisierung bis 2015 erscheint unter diesen Voraussetzungen kaum realistisch.

Zum anderen hätten Verkehrszählungen belegt, dass der Durchgangsverkehr in Güstrow ohnehin nur lediglich zehn Prozent des Gesamtverkehrs in der Stadt ausmache. Mit anderen Worten: "Hausgemachter", also innerstädtischer Verkehr machten mit Ankunfts- und Quellverkehr (Berufspendler) den weit überwiegenden Anteil der Fahrzeugströme aus.

Komplexe Lösungen über Quartiersgrenzen hinaus gefragt

Als Konsequenz dieser Ist-Situation "schlägt die Stadt keine westliche Umgehung vor". Brüß: Mit "viel geringerem Aufwand" könnte die Stadt mit "einem Bündel von Erschließungsmaßnahmen" die gleichen gewollten und teilweise sogar günstigere Effekte erreichen. Voraussetzung freilich sei eine wirksame finanzielle Förderung. Einen erheblichen Teil habe die Stadt dafür bereits vorgeleistet oder ist bei der Umsetzung bzw. Vorbereitung: Ausbau der Nord-West-Passage Bredentiner Straße und Weg, Neubau Nebelbrücke zur Anbindung Speicherstraße/Industriegelände, Sanierung Feldstraße, Umbau Ulrichplatz, Ausbau und Weiterführung Ulrichstraße, Elisabethstraße.

Für die "innerstädtische Umgehungslösung" verfolgt die Verwaltung weiterhin die Verlegung des Verkehrs aus der Bleicherstraße in den Paradiesweg. So könnte man als Zusatzeffekt den Rosengarten wieder an die Altstadt anbinden. Tiefgründigere Überlegungen erfordern dabei jedoch Antworten auf die Frage, wie der entstehende Knotenpunkt Paradiesweg/Eisenbahnstraße/Speicherstraße den Verkehr bewältigen soll. Denn Staubildungen bei geschlossenen Bahnschranken wären mit der geänderten Trassenführung auch nicht zu vermeiden. Ein derzeit ungelöstes Problem, wie Brüß verdeutlicht, das eine komplexe Herangehensweise über die Quartiersgrenzen hinaus erfordere.

Der weitere Verfahrensweg: Verwaltung und Verkehrsausschuss werden für die Stadtvertretung eine Beschlussvorlage erarbeiten, mit der die Stadt gegenüber Land und Bund ihre Prioritäten darlegt, die finanzielle Unterfütterung eingeschlossen.


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