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Die Theater-Debatte in MV: Torsten Koplin : Staatstheater und eine Stiftung

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Wie weiter mit den Theatern und Orchestern? Fließt zu viel Geld in einen elitären Kunstbetrieb? In der nächsten Woche melden sich in unserer Zeitung Intendanten und Politiker, Geschäftsführer und Leser zu Wort.

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erstellt am 22.Okt.2012 | 11:59 Uhr

Unter einer Sonntagsrede eine bei feierlichen Anlässen gehaltene schöne Rede mit großen, der Realität meist nicht standhaltenden Worten, verstanden. Der Politik sind Sonntagsreden bekanntlich nicht fremd. Sie werden oft gehalten, vor allem, wenn es um Kunst und Kultur im Allgemeinen und die Theater im Besonderen geht.

Was wurde nicht alles gesagt? So seien Theater enorm wichtig für die Gesellschaft und das kulturelle Leben. Theater würden die Lebensqualität der Menschen erhöhen, regionale Identität schaffen und vor allem für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen unerlässlich sein. Auch würden sie Gewalt und Rechtsextremismus vorbeugen. Nicht zuletzt seien Theater ein wichtiger sogenannter weicher Wirtschaftsfaktor, ein Standortvorteil. Viele junge Familien würden großen Wert darauf legen, dass in ihrer Region ein Theater existiert.

Aber ja doch! Die Bedeutung der Theater wird in Sonntagsreden in der Regel zutreffend beschrieben. Wie aber sieht es im Alltag aus? Seit fast 20 Jahren hat das Land seinen Beitrag für die Finanzierung der Theater nicht erhöht. Kostensteigerungen wurden seitdem weitestgehend allein von den Theatern abgefangen. In der Folge wurden Personal abgebaut, Gehälter gekürzt und die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten erhöht. Und auch die Kommunen mussten finanziell einspringen und drohende Insolvenzen abwenden. Die Landesregierung sagt, es gibt nicht mehr Geld. Die Theater und Kommunen müssten ihre Finanzprobleme zunächst selbst lösen. Nach den Vorstellungen von Kultusminister Mathias Brodkorb werden bis zu 290 Stellen gestrichen. Das beträfe jeden 5. Beschäftigten an den Theater und bei den Orchestern des Landes! Insgesamt neun Modelle hat er präsentiert. Am Ende einer ergebnisoffenen Diskussion könnte gar ein zehntes stehen. Was der Minister allerdings unter einer ergebnisoffenen Diskussion versteht, wissen wir spätestens seit dem 17. Oktober 2012. An diesem Tag wurde ein alternativer Vorschlag meiner Fraktion von SPD und CDU im Landtag abgelehnt und nicht einmal zur öffentlichen Anhörung zugelassen. Zweifel an den Brodkorb-Modellen sollen offenbar bereits im Keim erstickt werden. Wa rum aber stellen sich SPD und CDU nicht anderen Ideen? Die Linke ist überzeugt: Es gibt immer Alternativen. Und nur wer sich mit allen Alternativen beschäftigt, kann am Ende die beste Lösung erkennen. Wir lehnen aus sozialpolitischen Gründen alle Modelle ab, die zu Kündigungen führen. Warum das für die SPD denkbar ist, die doch sonst den sozialen Arbeitsmarkt im Munde führt, ist mir schleierhaft.

Die Linke will die kulturelle Infrastruktur der Theater- und Orchesterlandschaft konsolidieren und langfristig sichern. Dazu brauchen die Theater aber eine angemessene finanzielle Hilfe. Denkbar ist, dass das Land das Staatstheater Schwerin oder die Orchester übernimmt. Das alles ist möglich, ohne die weitere Konsolidierung des Haushalts zu gefährden. Denn wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg. Einen solchen hat das Land im Übrigen bei seinen Finanzhilfen für die P+S-Werften beschritten. Und weil Die Linke auch heute an die Herausforderungen von morgen denkt, halten wir an unserem Vorschlag der Einrichtung einer landesweiten Theaterstiftung fest. Aus den Zinserträgen können zu erwartende Mehrkosten finanziert werden. Kulturabbau zahlt sich nicht aus, er macht unser Leben ärmer. Wer nur in Sonntagsreden die Bedeutung der Theater erkennt, schadet ihnen im Alltag. Jetzt sind keine schöngeistigen Reden, sondern entschlossenes Handeln gefragt.

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