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Sozialbestattungen : Staat zahlt in hunderten Fällen fürs Begräbnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kosten für Sozialbestattungen erreichen in MV neuen Höchststand. Die Kommunen weichen auf billigere Friedhöfe im Umland aus

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Kein Geld oder keine Angehörigen für eine würdevolle Beerdigung: In Mecklenburg-Vorpommern sind die Ausgaben für Sozialbestattungen erneut auf einen Höchststand gestiegen. Städte und Gemeinden haben 2015 mehr als 1,2 Millionen Euro für Armenbegräbnisse ausgegeben – 15 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Neuere Zahlen liegen bislang noch nicht vor. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Parlamentarische Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor. Danach kamen seit der Streichung des Sterbegeldes 2004, das von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt worden war und Hinterbliebene bei der Bestattung finanziell unterstützen sollte, die Steuerzahler mit mehr als 12,5 Millionen Euro für Sozialbestattungen auf.

Nach dem Sozialgesetzbuch werden die Bestattungskosten übernommen, wenn den dazu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. In aller Regel betrifft das Sozialhilfeempfänger und Bezieher von Arbeitslosengeld II. 2015 musste in 637 Fällen der Steuerzahler einspringen und für eine würdevolle Bestattung sorgen. Damit haben die Behörden in MV in den vergangenen zehn Jahren für mehr als 7400 Personen die Kosten übernommen.

Fachleute erwarten in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der Sozialbestattungen. Wegen zunehmender Altersarmut und dem nach wie vor hohen Stand prekärer Beschäftigung mit kaum auskömmlichen Löhnen werde das Geld fehlen und der Staat für die Bestattungen aufkommen müssen. Andere könnten die steigenden Gebühren der Friedhöfe nicht mehr tragen, denen es wegen des Rückgangs klassischer Bestattungsformen und geänderten Kalkulationen immer schwerer falle, kostendeckend zu wirtschafte, erklärte Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag MV. In anderen Fällen fühlten sich die Familien immer weniger verantwortlich, für die Bestattungen aufzukommen. Um die Kosten im Griff zu behalten, würden inzwischen Ordnungsbehörden für Begräbnisse auch auf kleinere Friedhöfe in Umlandgemeinden ausweichen. Dort seien die Gebühren in der Regel niedriger, sagte Glaser.

Bundesweit haben die Sozialämter 2015 in knapp 23400 Fällen die Kosten für Sozialbestattungen übernommen – 3,3 Prozent mehr als im Jahr 2012, ermittelte das Statistische Bundesamt.
Die kommunalen Ausgaben für diese so genannten Sozialbestattungen beliefen sich im Jahr 2015 auf 61,7 Millionen Euro. Das waren 2,6 Millionen mehr als im Jahr zuvor und 4,3 Millionen Euro mehr als im Jahr 2012. Die größte Summe entfällt wegen der hohen Bevölkerungszahl auf Nordrhein-Westfalen. Dort gaben die Sozialämter 2015 rund 17,4 Millionen Euro dafür aus. Es folgten Bayern (6,6 Millionen Euro), Baden-Württemberg (5,8), Hessen (5,0) und Hamburg mit 3,6 Millionen Euro.  

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