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Staatsanwaltschaft Schwerin : SS-Sanitäter angeklagt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erstmals bringt Staatsanwaltschaft in MV Nazi-Verbrechen vor Gericht

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 16:34 Uhr

Zum ersten Mal ist in Mecklenburg-Vorpommern ein ehemaliger SS-Mann wegen Kriegsverbrechen im Dritten Reich angeklagt worden. Die Schweriner Staatsanwaltschaft wirft dem 94-jährigen Hubert Z. vor, als Angehöriger der SS-Sanitätsdienststaffel im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen geleistet zu haben. Der Rentner lebt heute in einem Dorf bei Demmin und soll in der Zeit vom 15. August 1944 bis zum 14. September 1944 als SS-Unterscharführer SS-Verbände unterstützt haben, die die Ermordungen vor allem von Juden durchführten.

„In dem Zeitraum erreichten Auschwitz-Birkenau mindestens 14 Deportationszüge beispielsweise aus Rhodos, Triest, Wien und Westerbork“, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. In dem Zug aus dem niederländischen Westerbork befanden sich laut Ermittlungen auch Anne Frank mit ihrer Familie. Sie starb im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen und wurde nach der Veröffentlichung ihrer Tagebücher weltberühmt.

In Mecklenburg-Vorpommern leitete die Justiz bisher 15 Ermittlungsverfahren wegen NS-Verbrechen ein. Aber in keinem Fall kam es zur Anklage. Ob vor dem Neubrandenburger Landgericht demnächst der Prozess eröffnet wird, ist offen. Der Anwalt des Angeklagten hat ein medizinisches Gutachten vorgelegt, das dem 94-Jährigen Verhandlungsunfähigkeit bescheinigt. Die Staatsanwalt beruft sich dagegen auf ärztliche Untersuchungen, die zu dem Ergebnis führten, dass Hubert Z. nicht verhandlungsunfähig ist.

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