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Parchimer Cords-Bauten : Spuren eines Baumeisters in Parchim

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1922 versuchte man auch in Parchim, die Wirtschaft und das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken und auch das stagnierende Baugeschäft nahm nach Krieg, Inflation und Kapp-Putsch einen Aufschwung.

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erstellt am 10.Aug.2012 | 10:38 Uhr

Parchim | 1922 versuchte man auch in Parchim, die Wirtschaft und das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken und auch das stagnierende Baugeschäft nahm nach Krieg, Inflation und Kapp-Putsch einen Aufschwung. Der junge Regierungsbaumeister Werner Cords verdiente sich nicht nur mit der Gestaltung des Friedhofes auf dem Eichberg seine frühen beruflichen Sporen. Er ging 1922, also vor 90 Jahren, in die Vollen. So könnten heute, im Jahre 2012, einige an der Orts-, Familien-, und Firmengeschichte Interessierte ein neunzigjähriges Jubiläum begehen.

Begleitend zum diesjährigen Sommermuseum, das sich mit dem Thema Wirtschaft und Handel in Parchim befasst, erinnert Dr. Klaus Kagel an einige Parchimer Cords-Projekte aus der Zeit vor 90 Jahren. Unser Autor beschäftigt sich seit fast 30 Jahren ununterbrochen mit dem Leben und Arbeiten von Werner Cords-Parchim und hat dazu auch schon vielfach publiziert.

Für Leo und Rudolf Gumpert entwarf der Architekt Werner Cords-Parchim das Werk II der Tuchfabrik Parchim am Fischerdamm Nr. 4. Rechts am Giebel verewigte er sich selbst mit einem großen C und das Einweihungsjahr durch die Jahreszahl 1922. Der Bauunternehmer war August Frederich aus Parchim. Familie Gumpert wurde im Dezember 1938 von den nationalsozialistischen Machthabern zum Verkauf ihrer Fabrik gezwungen. An die jüdische Familie Gumpert erinnern drei "Stolpersteine" vor dem Stammhaus, dem heutigen Parchimer Museum. 1945 wurde die Fabrik von der SMAD übernommen, 1948 VEB und 1990 geschlossen. Seit 1993 ist das Gebäude als Gaststätte, Spielothek und Videothek in privater Hand.

Nach einem Brand erfolgte in der Inflationszeit zwischen 1920 und 1922 in der Zichorienfabrik ein vollständiger Umbau des veralterten Fabrikgebäudes und im Zuge der Elektrifizierung die Anschaffung modernerer Maschinen. Dafür lieferte Cords die Entwürfe 1920 für das 1. Kesselhaus, 1921 für die Aufstellung eines Brennofens und 1922 dann für das 2. Kesselhaus.Die Baupläne signierten als Bauherr JHL Hoffmann, als Architekt Cords und als Unternehmer August Frederich. Die Fabrik beschäftigte etwa 50 Arbeiter und Angestellte. Um 1935 wurde die einzige mecklenburgische Zichorienfabrik geschlossen. Jetzt ist die Wobau Besitzer und Nutzer des Grundstückes. Das Torhaus ist kaum noch als solches erkennbar.

Über der Tür des Hauses Gartenstraße Nr. 4 informiert ein großes C über den Architekten Cords und die Zahl 1922 über das Baujahr. Der Name INGA weist auf die Frau des Bauherren hin. Es war der schwedische Studienrat a. D. Engelhardt, der in den dreißiger Jahren nach Schweden ausgewandert ist. Lange Jahre war der Berufsschullehrer Ludwig Trenk Besitzer und Bewohner des Hauses . Inzwischen wurden das Gebäude sowie das ganze Grundstück den gehobenen Ansprüchen der neuen Generation angepasst.

Das Doppelhaus Putlitzer Straße Nr.32 /33 entwarf Cords 1922 für Major außer Dienst Graf Stillfried, der 1920 in den Kapp-Putsch verwickelt war. Genutzt wurde es aber lange durch die Parchimer Samengroßhandlung Gebr. Ahlefeld. Die Beziehung der beiden zueinander ist noch unklar. Später wechselten die Bewohner oft. So wohnten dort z. B. auch die damals bekannten Volksschullehrer Bruno Glauch und Franz Wessel. Inzwischen ist das Gebäude geteilt und hat zwei Besitzer. Cords baute um die Zeit aber nicht nur in Parchim. Es entstanden zum Beispiel nach seinen Plänen 1922 in Grabow die Wohnsiedlung am Karstädter Weg und drei Umformerhäuser im Rahmen der Elektrifizierung der Stadt. Denen folgten in Grabow und anderen Orten noch viele weitere Cords-Projekte.


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