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Teure Dienstreise : Spritpanscher entwischen Zoll

vom
Aus der Onlineredaktion

Verdächtige aus Güstrow in Uruguay aus Haft entlassen

svz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Im Ermittlungsverfahren der Rostocker Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlichen Steuerbetruges in Millionenhöhe mit gepanschtem Diesel ist offenbar die geplante Auslieferung der beiden Hauptverdächtigen von Uruguay nach Mecklenburg-Vorpommern geplatzt. Wie der Anwalt des beschuldigten Ehepaares aus dem Raum Güstrow mitteilte, hatte das Zollfahndungsamt Ende vergangener Woche vier Beamte nach Südamerika geschickt, um seine Mandanten nach Deutschland zu bringen. Das Ehepaar sei zu diesem Zeitpunkt aber bereits aus der Auslieferungshaft entlassen worden. „Eine peinliche Aktion. Die deutschen Behörden haben offenbar Fristen versäumt. Jetzt kriegen sie die Beiden erst einmal nicht“, erklärte Anwalt Benjamin Richert.

Dass die Auslieferung des Ehepaares tatsächlich gescheitert ist, wollte die Staatsanwaltschaft gestern nicht bestätigen. „Wir müssen erst einmal abwarten“, übte sich Behördensprecher Harald Nowack in Zurückhaltung. Er verwies lediglich auf eine positive Rückantwort der Behörden in Uruguay auf das Auslieferungsersuchen. Das Zollfahndungsamt Hamburg erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass der derzeit noch Beamte in Uruguay im Einsatz seien: „Die Maßnahmen laufen noch.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ehepaar vor, von 2013 bis 2015 im großen Stil Diesel mit Schmieröl gestreckt zu haben und den gepanschten Kraftstoff bundesweit verkauft zu haben – möglicherweise auch an Großabnehmer und Tankstellen. Mit dem Verkauf des illegalen Treibstoffs soll das Paar, das ein Transportunternehmen betreibt, Steuern in Höhe von rund acht Millionen Euro hinterzogen haben.

Das Ehepaar war nach Bekanntwerden der Vorwürfe und den eingeleiteten Ermittlungen nach Uruguay ausgereist. „Sie wollten sich dort eine neue Existenz aufbauen. Der Zoll hatte in Deutschland das gesamte Vermögen beschlagnahmt“, erklärte Anwalt Richert. Die beiden Tatverdächtigen wurden daraufhin mit einem internationalem Haftbefehl gesucht und im November vergangenen Jahres in dem südamerikanischem Staat festgenommen. Die Staatsanwaltschaft bemühte sich anschließend um eine Auslieferung der beiden Tatverdächtigungen.

Für Anwalt Richert ist dagegen klar: Die Dienstreise der Zollbeamten nach Uruguay vor wenigen Tagen war ein Flop auf Kosten der Steuerzahler. Auf rund 15 000 Euro schätzte er den Einsatz. Dabei würden seine Mandanten auch freiwillig nach Deutschland kommen – wenn sie nicht in U-Haft müssen.

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