Sprayer verwandeln Tunnel in Kunst

<strong>Tunnel zum Leben erweckt:</strong> Christian Hölzer hat mit zwei Kollegen der Künstlergruppe Artunique den Fußgängertunnel an der Warnemünder Werft in ein Kunstwerk verwandelt und ganz nebenbei noch Geschichten aus dem Seebad eingearbeitet. Foto: Nicole Pätzold
Tunnel zum Leben erweckt: Christian Hölzer hat mit zwei Kollegen der Künstlergruppe Artunique den Fußgängertunnel an der Warnemünder Werft in ein Kunstwerk verwandelt und ganz nebenbei noch Geschichten aus dem Seebad eingearbeitet. Foto: Nicole Pätzold

svz.de von
19. Juli 2012, 09:26 Uhr

Warnemünde | Lachende Kinder am Strand, Werftarbeiter vor der Warnemünder Skyline, stolze Kapitäne mit heimischen Schiffen - realistisch dargestellt und mit grafischen Elementen wie dem Stadion oder einer Straßenbahn kombiniert. Das sehen die Passanten jetzt statt grauer Wände, wenn sie an der S-Bahn-Haltstelle Warnemünde Werft durch den 40 Meter langen und sechs Meter breiten Fußgängertunnel gehen.

Fünf Wochen hat die Künstlergruppe Artunique mit drei Leuten im Auftrag der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), der Stadt und der Deutschen Bahn daran gearbeitet. "Es ist eine Meisterleistung geworden", sagt Michael Schroeder, Technischer Vorstand der RSAG. Das Vertrauen in die Sprayer habe sich gelohnt. Die Gruppe hatte bei den Projektleitern mehrere Entwürfe eingereicht, der maritime, mit Bezug zu Warnemünde und Rostock gewann. Die Gruppe stimmte Motive und Skizzen ab, bestand aber auf künstlerische Freiheit.

Passanten sind im Bild verewigt

Drei Paletten mit je 900 Spraydosen haben sie für die 1525 Quadratmeter Wandfläche verbraucht und viele Geschichten und Gesichter aus dem Seebad eingearbeitet. Denn die Abgebildeten sind zumeist keine Fantasiegestalten, sondern Warnemünder, die der Gruppe beim Arbeiten genau auf die Finger geschaut haben. "Wir sind schon am ersten Tag mit den Leuten ins Gespräch gekommen", erzählt Christian Hölzer von Artunique. Einer der ersten war ein Werftarbeiter, der glaubte, sich auf einer Skizze wiederzuerkennen. Kurzerhand haben die drei den Mann fotografiert und wirklich sein Gesicht mit ins Bild gebracht. So zog es sich fort. Ein ehemaliges Mitglied der Reichsbahn kam in Uniform. "Ich muss hier mit drauf", habe er gesagt. Und der Warnemünder wurde verewigt. Junge Frauen standen Modell und eine Rentnerin brachte Bilder ihrer beiden Enkelkinder. "Sonst wird oft gleich die Polizei gerufen", sagt Hölzer. Nicht alle seien mit Auftrags-Graffitis vertraut. In Warnemünde hätten sie aber nur gute Erfahrungen gemacht und es den Anwohnern mit ihrer lebensnahen Kunst gedankt.

"Es geht uns um das Objekt, und darum, dass die Leute sich freuen", sagt Hölzer. Er und die Gruppe brennen für ihre Arbeit. Das ist zu sehen: "Es ist eine enorme optische Aufwertung", findet Heike Schröder vom Tief- und Hafenbauamt. "Wir hoffen, dass das Graffiti in der jetzigen Form ganz lange erhalten bleibt", sagt sie. Hölzer ist da optimistisch. Es ist nicht das erste Werk von Artunique in der Stadt. Die Gruppe habe sich bewährt, arbeitet deutschlandweit mit mehr als 40 Leuten. Ihre Kunst wird in der Szene akzeptiert und kaum übermalt. Sollte doch ein junger Kollege zur Spraydose greifen, hilft neuartige Technik. Das großformatige Kunstwerk ist mit einer gummiartigen Beschichtung überzogen, auf der Sprayfarbe schlecht hält. Mit einem Hochdruckreiniger wäre die somit schnell wieder entfernt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen