Betriebsräte in MV : Sprachrohr der Mitarbeiter

Thomas Lübbert kämpft für gute Arbeit und faire Löhne.
Foto:
Thomas Lübbert kämpft für gute Arbeit und faire Löhne.

Thomas Lübbert (33) ist Betriebsratsvorsitzender und stellt sich zur Wiederwahl

svz.de von
15. Februar 2018, 05:00 Uhr

Betriebsrat. Das steht an der Tür des Zimmers 308 schwarz auf weiß. Geht es um Arbeitszeit und Urlaubsplanung, Fort- und Weiterbildung oder Einstellung und Kündigung, sind die Mitarbeiter bei Thomas Lübbert richtig. „Meine Tür steht immer offen“, sagt der 33-Jährige. Er ist seit 2014 hauptamtlicher Betriebsratsvorsitzender bei Prysmian Kabel und Systeme in Schwerin. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin ist einer der größten Hersteller von Kabel und Leitungen für die Energieübertragung in Deutschland. Die Fertigung im Schweriner Werk reicht von Nieder- bis zu Mittelspannungskabeln für u.a. Energieversorgung, Industrie und Installation.

Lübbert macht sich für die Belegschaft stark. 240 Mitarbeiter zählt das Unternehmen am Standort in der Landeshauptstadt. Er hört sich die Probleme seiner Kollegen an, trägt deren Kritik und Forderungen zur Chefetage. Bezeichnet sich als „Sprachrohr der Mitarbeiter“. Dabei hat er einen entscheidenden Vorteil: Lübbert kommt aus der Mitarbeiterschaft, kann sich so gut in die Lage der Kollegen hineinversetzen.

Während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker für Maschinen- und Systemtechnik im Betrieb am Schweriner Siemensplatz, setzt er sich schon als Jugendauszubildendenvertreter für die jüngsten Arbeitnehmer ein. „Ich wurde zu den Betriebsratssitzungen eingeladen und da wurde mein Interesse geweckt, mich zum Betriebsrat aufstellen zu lassen“, erzählt er. Besonders das lösungsorientierte Arbeiten reize ihn.

Nach der Lehre arbeitet er als Maschinen- und Anlagenführer in der Produktion. Bis zum Frühjahr 2014. Da beginnt sein Weg vom Arbeiter zum Betriebsratsmitglied. „Nach der Wahl wurde ich erst zum Stellvertreter ernannt, mit Heranführung zum zukünftigen Vorsitz. Ich war ja mit 29 Jahren noch relativ jung“, sagt er. Doch nach einem halben Jahr wirft der Vorsitzende das Handtuch, gibt seinen Posten ab. Lübbert wird ins kalte Wasser geworfen. „Die Entscheidung des Vorsitzes ist mir schwergefallen, aber ich habe mich bereit erklärt, es zu machen, es als Chance zu sehen, das Unternehmen voranzubringen“, erzählt er.

Viel Zuspruch bekommt er von den anderen acht Mitgliedern, darunter sein Stellvertreter Frank Belling. „Alle waren sich einig und haben mir das zugetraut. Ein gutes Gefühl“, ist er dankbar für das Vertrauen. Die ersten Tage seien entspannt gewesen, „aber dann kamen Sitzungen mit Dingen, von denen ich noch nie etwas gehört habe“, erinnert er sich. In der Einarbeitungs- und Findungsphase bekommt er viel Unterstützung seitens der Gewerkschaft IG Metall Rostock-Schwerin und der betrieblichen Bereichsleiter.

Lübbert nimmt an Schulungen teil, liest sich in die Materie ein, tauscht sich mit Mitarbeitern aus, um herauszufinden, was ihnen auf den Nägeln brennt. Auf seinem Schreibtisch, immer griffbereit, liegt das Betriebsverfassungsgesetz, „die Bibel des Betriebsrates“, wie er es nennt.

Sein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr. „Dann habe ich schon die ersten Mails von Mitarbeitern im Postfach“, sagt er. Um ein Zeichen von sich zu geben, antwortet er sofort. „Entweder vermittle ich an die zuständige Stelle oder kümmere mich selbst. Bei allem darf sich ein Betriebsrat nicht einmischen“, sagt er. Sein Tag ist ausgefüllt mit Büroarbeit, Betriebsrundgängen, Schulungen und Sitzungen. Bei letzteren verfolgt der Schweriner eine ganz eigene Strategie: „Bevor ich etwas sage, höre ich mir erst die anderen Ansichten an. Das funktioniert gut.“

Lübbert kämpft nicht nur für gute Arbeit und faire Löhne, sondern auch für die Zukunft des Unternehmens als Ausbildungsbetrieb: „Wir haben zwar derzeit sechs Auszubildende, aber viele junge Menschen kennen uns nicht.“ So plant er, mit den Schulen der Region zusammenzuarbeiten.

Auch nach vier Jahren im Amt hat Thomas Lübbert noch nicht ausgelernt. „Es passieren immer mal neue Herausforderungen.“ Im Frühjahr stellt er sich zur Wiederwahl.

„Ich habe mit mir gehadert, weil die Arbeit ein Unterschied wie Tag und Nacht ist. An der Maschine war es deutlich stressfreier“, sagt er. Sollte es nicht klappen, „gehe ich wieder in die Produktion zurück.“ Dahin, wo alles angefangen hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen