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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 21:41 Uhr

Bildung : Sprachferien direkt vor der Haustür

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Englisch, Spanisch oder Französisch von Muttersprachlern lernen – Sabine Görner aus Schwerin und ihre LEOlingo-Sprachcamps machen es möglich

svz.de von
erstellt am 30.Jul.2015 | 11:45 Uhr

„With bubbles? Or no bubbles?“ Die Frage, ob sie ihr Wasser mit oder ohne Bläschen – also Kohlensäure – trinken möchten, können auch die Jüngsten sofort beantworten. Was schwieriger ist, verdeutlichen die Betreuer im LEOlingo-Sprachcamp notfalls auch mit Gesten: Stand up - steht auf! – und die Arme gehen nach oben. A circle – mit beiden Armen wird ein Kreis geformt. Notfalls springen die älteren Kinder ein, die schon seit mehreren Jahren Englisch lernen und die den jüngeren als Übersetzer zur Seite stehen. In solchen Fällen nämlich ist die Grundregel des Camps außer Kraft gesetzt, die ganz einfach lautet: Sprich englisch!

Sprachferien direkt vor der Haustür - das ist das Konzept von LEOlingo. Entwickelt hat es die Schwerinerin Sabine Görner schon vor gut zehn Jahren zusammen mit ihrer bayerischen Geschäftspartnerin Andrea Bär. Selbst Lehrerin für Französisch und Sport, hatte sie damals genug von Frontalunterricht und strenger Benotung. „Kinder sollen ganz frei sein und auf ihre Art in eine Sprache einsteigen“, findet sie, „sie sollen mit einer Sprache freudvoll umgehen und sie mögen“. In den Sprachcamps würden deshalb bewusst verschiedene Aktivitäten angeboten, in die die fremde Sprache dann einfließt: Klettern, Surfen, Theater, Musik,Reiten – und all das wahlweise auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Vormittags wird in kleinen, nach dem Alter der Kinder zusammengestellten Gruppen gespielt und gelernt. Nachmittags sortieren sich die Gruppen neu, je nach dem gewählten Aktivitäts-Schwerpunkt, zum Beispiel Surfen.

„Sail, safety line, finn…“ Finnja rattert die wichtigsten Begriffe rund um diesen Wassersport nur so herunter – und kann sie natürlich auch übersetzen: Segel, Sicherheitsleine, Finne… Ganz bewusst haben die Siebtklässlerin aus Hamburg und ihre Eltern sich in diesem Jahr für das Sprachcamp in Beckerwitz entschieden, denn am Ende der Woche winkt nicht nur ein Zertifikat, das die erfolgreiche Teilnahme bestätigt, sondern auch der internationale Surfschein. Theorie und Praxis erlernen Finnja und die zehn anderen Mädchen und Jungen, die sich für diesen Spezialkurs entschieden haben, nachmittags in der Surfschule von Robert Knopf an der Wohlenberger Wiek. „Vor drei Jahren, zu Beginn unserer Zusammenarbeit mit LEOlingo, hatten wir auch versucht, die Kinder auf Englisch zu unterrichten“, erzählt der, „aber das ging nicht auf: Aus Sicherheitsgründen müssen wir bestimmte Kommandos auf Deutsch geben. Und ganz ehrlich: So ganz perfekt ist unser Englisch auch nicht.“ Bestimmte Grundbegriffe aber – sail, safety line, finn… – sollten die Kinder zweisprachig beherrschen. Auch sie sind Prüfungsstoff am Freitag.

Wobei Prüfung genau genommen nicht das richtige Wort ist – ebenso wenig wie Nachhilfe. „Eltern, die glauben, in unseren Camps könnten Wissenslücken aus dem vergangenen Schuljahr geschlossen werden, irren“, betont Sabine Görner. Allerdings könnten die Camps die Lust an der fremden Sprache (wieder) wecken – und so ganz oft im nächsten Schuljahr dazu führen, dass die Kinder mit neuem Elan ans Lernen gehen.

Diese Lust wecken in den Sprachcamps zwischen Schwerin und Hamburg, Beckerwitz, Grevesmühlen und Wiligrad junge Muttersprachler, die zu „work and travel “, Arbeiten und Reisen, nach Deutschland kommen. Viele sind Studenten, so Sabine Görner, andere haben ihre Ausbildung schon abgeschlossen. Pro Jahr bekäme sie 150 Bewerbungen aus aller Welt auf ihre Stellenanzeigen im Internet, erzählt die Schwerinerin. Bewerbungsgespräche würde sie über Skype führen und zum Schluss 15 Counsellor – Betreuer oder wörtlich Berater – für den Sommer einstellen, mit festem Arbeitsvertrag und Gehaltsanspruch. Manche kommen auch immer wieder, Jasmine Booey aus Washington State in den USA zum Beispiel verbringt schon zum fünften Mal einen Sommer im LEOlingo-Sprachcamp – diesmal sogar als Campleader, als Leiterin. Durch ihren älteren Bruder, der selbst einmal hier gearbeitet hatte, sei sie dazu gekommen, erzählt die junge Frau. Im letzten Jahr hätte sie dann auch ihren jüngeren Bruder mitgebracht, der ebenfalls als Betreuer arbeitete.

Auch Finnja aus Hamburg ist nicht zum ersten Mal bei LEOlingo. „Im letzten Jahr war ich im Klettercamp in Schwerin, das hat auch Spaß gemacht“ , erzählt die 13-Jährige. Sabine Görner freut sich, dass sie inzwischen viele „Stammkunden“ hat: Von den rund 400 Mädchen und Jungen, die in diesem Sommer ein Camp besuchten, würde ein Viertel nicht zum ersten Mal Ferien mit LEOlingo machen. „Und viele dieser Kinder bringen beim nächsten Mal auch noch einen Freund oder ein Geschwisterkind mit.“

Jonas aus Freiberg in Sachsen ist allerdings zum ersten Mal dabei – und ziemlich überrascht: „Ich hatte erwartet, dass die Betreuer auch deutsch sprechen könnten“, gibt er zu. Dass das nicht so sei, sei aber nicht schlimm, „wir helfen uns untereinander“.

Sabine Görner, die nicht immer vor Ort sein kann, weil es mittlerweile in jeder der sechs Ferienwochen mehrere parallel laufende Camps gibt, hat für Notfälle zwei Handys immer griffbereit: eines für die Betreuer, die mögliche Probleme weiterleiten, und eines für Eltern. Letzteres klingelt vor allem dann, wenn ein Kind Heimweh hat –„oft, leider nicht immer, schaffen wir es aber, dass die Kinder dann doch bei uns bleiben“, erzählt sie. Gerade für jüngere Kinder – eine Teilnahme ist bereits ab 7 Jahre möglich – biete LEOlingo auch Tagescamps an. „Im darauffolgenden Jahr bleiben diese Kinder dann oft schon über Nacht“, weiß die erfahrene Pädagogin. Einsteigern empfiehlt sie das Classik-Programm mit einem vielseitigen Sprach-, Sport- und Kreativprogramm ohne besonderen Schwerpunkt – hier gibt es sogar noch für diesen Sommer Restplätze.

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