Premiere für Bildungskarte im Nordosten : Sport und Nachhilfe à la card

So sieht sie aus, die neue elektronische Bildungskarte des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. dpa
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So sieht sie aus, die neue elektronische Bildungskarte des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. dpa

Als erster Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern führt die Mecklenburgische Seenplatte eine Bildungskarte ein, um Kinder und Jugendliche mit Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket zu versorgen.

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18. Januar 2013, 10:10 Uhr

Neubrandenburg/Schwerin | Wie kommen die Gaben aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu denen, die sie haben sollen? Das ist die Gretchenfrage seit Erfindung der Zusatzleistung für bedürftige Kinder und Jugendliche. An der Mecklenburgischen Seenplatte gibt es jetzt eine neue Antwort darauf: Als erster in Mecklenburg-Vorpommern schafft der Landkreis die Gutscheine ab und setzt auf eine Karte, die Bildungskarte.

Mit ihrer Hilfe können ab 1. Februar die ersten vier der insgesamt sieben Bildungs- und Teilhabepäckchen verteilt und abgerechnet werden - kostenloses Mittagessen, Nachhilfe, Reisegeld bei Ausflügen und die Gelder für Sportvereine, Musikschule oder andere Freizeitbeschäftigungen. Die übrigen drei - Förderung für Klassenfahrten, Schulbedarf und Schülerbeförderung - sollen folgen, wenn die notwendigen Vorkehrungen getroffen sind, so kündigte es Christiane David, Sozialamtsleiterin im Landratsamt, an. Die Bildungskarte werde das Antrags-, Verwaltungs- und Abrechnungsverfahren deutlich vereinfachen.

Künftig können Eltern einen Antrag bei Jobcenter oder Sozialamt stellen und nach Prüfung der Unterlagen die Bildungskarte für ihre Kinder erhalten. Sie hat das typische EC-Karten-Format und ist mit dem Landkreislogo und einem Kinderbild versehen. Wem sie gehört, ist von außen lediglich durch eine Nummer zu erkennen - ein Zugeständnis an den Datenschutz. Mit dieser Nummer können Vereine, Essen- und Nachhilfeanbieter übers Internet ihre Leistungen abrechnen. "Alle, denen das Verfahren vorgestellt wurde, haben positiv darauf reagiert", sagt Christiane David. Sie hofft, dass die Bildungskarte dazu beitragen kann, künftig mehr Kinder und Jugendliche in den Genuss der Zuwendungen zu bringen. Anspruch hätten an der Mecklenburgischen Seenplatte derzeit gut 16 300 Mädchen und Jungen, knapp 8000 nutzen die Angebote. "Etwa 45 Prozent, das ist nicht ausreichend", so die Sozialamtsleiterin.

Immerhin hat sich die Situation landesweit verbessert. Der Bund zahlt Mecklenburg-Vorpommern für das Bildungs- und Teilhabepaket pro Jahr rund 44 Millionen Euro. Nach Auskunft des Sozialministeriums, das die Mittel an die Landkreise weiterreicht, dient ein Teil des Geldes unter anderem zur Finanzierunjg von Schulsozialarbeitern: 2011 wurden 58 Stellen, im Jahr darauf 75 finanziert. 21 Millionen dienen zur Unterstützung der Familien. Nur etwa die Hälfte davon wurde im Jahr 2011 verbraucht, wie Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärte. Im vergangenen Jahr seien bereits mehr als zwei Drittel der Mittel abgerufen worden - ein Erfolg intensiver Aufklärung und schnellerer Verwaltungsarbeit. Was übrig bleibt, wird automatisch ins Folgejahr mitgenommen. Die Schlussrechnung will das Ministerium in rund drei Wochen präsentieren, da noch immer einige Auszahlungen für 2012 laufen.

Im Bundesrat hat sich Mecklenburg-Vorpommern dafür eingesetzt, die Paket-Leistungen noch zu ergänzen: Künftig sollen nicht nur Vereinsmitgliedschaften, sondern auch Fahrtkosten, in begründeten Fällen sogar Ausrüstung, getragen werden. "In einem Flächenland eine besonders wichtige Erleichterung", kommentiert ein Behördensprecher. Wann sie in Kraft treten kann, stehe noch nicht fest.

Für den Weg vom Gutschein zur Karte hatte sich der Landkreis Seenplatte im schleswig-holsteinischen Plön und Neumünster inspirieren lassen. In den kommenden Tagen will Christiane David ihren Kollegen in anderen Landkreisen über ihre Erfahrungen informieren. Auch anderswo wird die Einführung der Bildungskarte erwogen, wie Jan Peter Schröder, Geschäftsführer des Landkreistages, einschätzt. "Etwa im Landkreis Rostock oder in Vorpommern-Greifswald." Ein weniger aufwändigeres, "schlankes Verfahren ist sowohl im Sinne der Verwaltungen als auch im Sinne der Eltern und Kinder nur zu begrüßen", erklärte er.

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